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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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L-teinheim.

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an gediegenen Charaktere», als sollte der Schaden wieder gnt gemachtwerden, den die Charakterschwäche des Berliner Knltarvereins ange-richtet hatte, dessen windbentliges Thnn bei den meisten Mitgliederndas großsprecherische Wort Lügen gestraft hatte. Ein solcher gediegenerCharakter war Riessers älterer Busenfreund, der Arzt SalomonLudwig Steinheiin (gcb. in Altona 1790, starb in Zürich 1866?)Er war eine tiefbeanlagte Natur, die auf der Sonnenhöke des Ge-dankens weilte, von wo ans ihr das gedankenlose Treiben derMenschen wie Dunstgebilde, vor dem Winde hierhin und dorthin zer-flatternd, erschien.

In Steinheim offenbarte sich der jüdische Gedanke, ohne welchendas Judenthum ein tausendjähriger Wahn genannt werden müßte, inseiner Herrlichkeit und in seiner Erlvsungskraft, der Gedanke, daß dasjüdische Volk eine Riesensendschaft zu vollbringen habe, und daß diesemseinem Apostelamt seine Lehre und sein Geschick entsprächen. DieseIdee mag Isaak Bernays unbewußt in ihm angeregt haben. Stein-heim besaß zugleich mit der Jdeenfülle die Formgewandtheit, seineGedanken in eine anziehende Hülle zu kleiden und sie mit einem ge-wissen reichen Schmelz zu umgeben. Man könnte ihn mit JehndaHalevi, dem castilischen Dichter-Philosophen, vergleichen, wenn ermehr dichterische Begabung gehabt hätte. Seine ErstlingserzeugnisseGesänge ans der Verbannung, welche sang Obadiah denAmos"2) enthalten schon fruchtbare Keime der Gedankensaat, die erausgestreut hat. Ein jüdischer Weiser (Obadiah) im Egypterland offen-bart seinem Sohne (Eliakim) zur Zeit der Ptolemäer die Hoheit undNiedrigkeit, denen das jüdische Volk entgegengehen müsse:Absicht sderVorsehung) und ihr Werk ist es, daß ein schwaches Volk, das ihr Heilverkünden soll, unter Millionen Feinden durch Jahrtausende verfolgt,gejagt und als Opfer geschlachtet, dennoch lebendig erhalten werde.Unsere Urahnen schon hat sie sich ausersehen. Diese erhielten einstensfür sich und ihre Nachkommen die Weihe der Priesterschaft. Das Ge-

*) Eine Biographie Steinheiins ist noch ein Desideratum. Ein kurzerNekrolog in der Zeitg. des Judenthums Jahrg. 1866, S. 363. (Vgl. Rippner inder Monatsschrift für Gesch. u. Wissensch. des Judenthums, Jahrg. 1872, S. 347ff. 395 ff. 456 ff. 510 ff. 537 ff. und Jahrg. 1873, S. 12 ff. Geiger, jüdischeZeitschr. f. Wissensch. u. Leben, Jahrg. 1872, S. 285 f. u. Steckelmacher imJahrg. 1888 der von Ad. Brüll herausgegebenenPopulär-wiffenschaftl. Monats-blätter" sowie in der ADB, Bd. 35, S. 725. Er war geboren in Bruchhausen(Kr. Brilon) am 6. Aug. 1789 und starb in Zürich am 18. Mai 1866. Ausdem Friedhof zu Altona ist er begraben (Monatsschrift 1872, S. 462).j-) Erschienen in Franks, a. M. 1829; 2. Ausl. 1837.