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Geschichte der Juden.
Als ihm die Badensischen Juden zum Zeichen ihrer Dankbarkeitjenes höchst sinnige Gemälde des jüdischen Malers Oppenheim über-reichten, welches die Uebergangsepoche im jüdische» Kreise, die Scheidungdes Alten und Neuen, künstlerisch verklärt: der hcimkehrende jüdischeKrieger, der seine Eltern und Geschwister in dem Eden des sabbat-lichen Stilllebens überrascht, bemerkte Riester in seinem Dankschreiben:„Thöricht der Vater, der den Sohn in das Kleid des Alters hüllenwollte, . . . aber ehrlos der Sohn, der sich seines Vaters, ehrlos dasGeschlecht, das sich seiner Vorzeit schämt! "*) Diese seine tiefgewnrzelteGesinnung theilte sich dem jünger» Geschlechte um so nachhaltiger mit,als sie nicht von einem Vertreter des Judeuthums, sondern von einemRechtsgelehrten geltend gemacht wurde, der mit den Wurzeln seinesDaseins mehr im Dentschthum steckte. Riester hat zunächst die Emanci-Pationsfrage volksthümlich gemacht durch seinen Kampf gegen dieJudenfresser Paulus, Eduard Meyer, Pfizer, Streckfuß und alle diefaselnden Feinde der Freiheit in den deutschen Ständekammern, welchedie den Juden anhaftende Mißliebigkeit zum Stichblatt nahmen, umdie freiheitlichen Bestrebungen überhaupt zu hemmen. Er hat fernerdie Judenfrage auf das Programm des Liberalismus gebracht. Dasjunge Deutschland und alle Diejenigen, welche gegen die Knechtung inden Kampf zogen, waren fortan genöthigt, die Religionsfreiheit unddie Gleichstellung aller Klassen auf ihre Fahne zu schreiben, so sehrsie auch von Antipathie gegen die Juden erfüllt waren. Aber beiweitem größer ist endlich Riesters Verdienst dadurch, daß er dasSelbstgefühl der Juden gehoben und die falsche Scham getilgt hat,welche die sogenannten Gebildeten vor dem Namen Jude empfanden.Die Wärme seiner Uebcrzeugung und die Aufrichtigkeit seiner Ge-sinnung, die aus jeder Krystallkaute seines Stylgefüges entgegenschimmert, bahnten ihm den Weg zu den Herzen. Durch Riester ge-weckt und ermuthigt, traten in jedem deutschen Staate kühne Kämpferfür die Emancipation auf. Sie hatten von ihm die Handhabung derWaffen und noch mehr das stolze Selbstbewnßtsein gelernt: BernhardBeer (starb l 86 l),welcher in dem verrotteten Sachsen, dem protestantischenRom, wie man es nannte, und Moritz Veit (starb 1864) welcher inPreußen, dem protestantischen Byzanz, beharrlich kämpften. Beideunabhängige, von Wissenschaft durchsaftete Männer, können gewisser-maßen als Riesters Jünger angesehen werden.
An Richtung gebenden Geistern war die Judenheit in jener Zeitgerade nickt sehr reich; aber desto reicher war das jüngere Geschlecht
Ein Wort des Dankes an die israelitischen Bürger Badens, >835, gss.Sch. IV, S. 720 f. . ' '