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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Gabriel Riesser.

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herrschenden Kirche zuneigte, sich nicht eher von ihrer Gemeinde los-zusagen, bis das Ziel erreicht, das Palladium der Freiheit auch fürdie Inden erobert ist".Z Riesser wollte Vereine ins Leben gerufenwissen, die ihre Thätigkeit auf die Emancipation der Juden richtenmögen. Gleichgesinnte sollten in eine Art Bündniß treten, ans Ehr-gefühl treu bei den Leidensgenossen anszuharren, bis der Kampf zuEnde geführt sein würde. Zehn Jahre vorher hatte der BerlinerKnltnrverein nicht gewagt ein solches Programm offen aufznstellen.Zwischen Eduard Gans und Gabriel Riesser lag eben die Julirevolution.Auch Christen forderte Riesser zur Theilnahme auf, indem es für Ge-sinnungstüchtige in jedem Bekenntnisse eine Ehrensache sein müsse, fürdie Erlösung Geknechteter einzutreten.

Riesters Wort schlug durch; es kam zur gelegenen Zeit, die Ge-müther waren empfänglicher geworden. Seine bei aller Entschiedenheitdoch milde Sprache machte einen tieferen Eindruck, als die Börnesmit ihrer ätzenden Schärfe. Der Ton der Zuverlässigkeit und Sicher-heit, mit dem er den endlichen Sieg der Freiheit gewissermaßen vor-aus verkündete, gewann die Herzen, sich der Hoffnung hinzugeben.Dazu kam, daß damals einige günstige Ereignisse seine Prophezeihungzu besiegeln schienen. Zum ersten Male kam die Gleichstellung derJuden im englischen Parlament zur Sprache, und die bedeutendstenFührer im Unterhause redeten ihr das Wort. Noch unerwarteter kamder Beschluß der Stände von Kurhessen, dem ersten deutschen Lande,welches die Emancipation zum Gesetze erhob. Das gab Riesser den Mnth,seinem Hoffnungsideal weiter nachzuhängen. Unermüdlich war er bereit,für die Sache, der er sein Leben geweiht, einzntreten, aber stets mehr ausdem Gesichtspunkte der Ehre und Würde, als aus dem des materiellenGewinnes. Die Gleichstellung sollte als eine Sache des Rechtes ge-wonnen und nicht als ein Gut durch Gegenleistung erkauft werden.Nicht die unbedeutendste rituelle Ceremonie dürfe zum Opfer für dieEinbürgerung gebracht werden, wenn sie nur um diesen Preis zu er-langen ist, sprach er nach zwei Seiten hin kühn ans. Die deutschenRegierungen und Stände, obwohl selbst voll von nebelhaften Wahn-gebilden, verlangten von den Juden Aufgeklärtheit und Lossagen vomsogenannten Aberglauben, Aufgeben des Talmud und der Messias-hoffnung. Und ehrvergessene Juden boten einen solchen Tausch anund gaben der Regierung an die Hand, nur diejenigen zu erheben,die dem Talmud entsagt hätten. Riesser brandmarkte einen solchenHandel mit Gewissenssachen als eine Schmach.

Z Das. S. 35