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Geschichte der Juden.
genossen verächtlich behandelt zu werden gewohnt waren, wurde vonden damaligen Lieblingen der europäischen Welt, von den helden-müthigen Polen, ebenbürtig behandelt und mit Aufmerksamkeit über-häuft. Sie wurden gewissermaßen als Verbündete gesucht. Die Ver-theidiger der Freiheit in ganz Europa, die in dem Kaiser Nikolausden dämonischen Feind derselben erblickten und heiße Wünsche sür dieWiederherstellung Polens hegten, mußten fortan auch die Erhebungder Juden Polens in ihre Wünsche einschließen und in ihr Programmaufnehmen. Es bildete sich ein Verein in Paris, an dessen SpitzeLafayette stand, mit dem ausgesprochenen Zwecke, „die Israelitenin Polen" auf jede mögliche Weise zu fördern. Flüchtige polnischeJuden, welche der russischen Knute oder der Verbannung nach Sibi-rien entflohen waren, fanden bei der polnischen Emigration brüder-lichen Empfang. Graf Czynski machte sich gewissermaßen zur Lebens-aufgabe, den polnischen Juden und den Unglücklichen dieses Stammesüberhaupt mit warmem Herzen das Wort zu reden und mit that-kräftiger Hand beizustehen. Es galt in diesem Kreise so sehr als pa-triotische Pflicht, sie ebenbürtig zu behandeln, daß selbst der stolzeFürst Czartoryski sich ihr nicht entziehen konnte. Und die FürstinCzartoryska, als künftige Königin Polens angesehen, nahm jüdisch-polnische Flüchtlinge, die ihr von Czynski empfohlen worden waren,in ihrem Palaste in Paris gleich Edelleuten auf. Der unbeugsameCzar Nikolaus war durch die Aufmerksamkeit, mit welcher die polni-schen Juden behandelt wurden, am Ende genöthigt, sich mit einer Ver-besserung ihrer Lage zu beschäftigen, obwohl er den Plan gehegt hatte,sie sämmtlich nach Sibirien zu verpflanzen.
Jüdische Jünglinge, welche in Polen mit den Waffen in der Handum die Rechte ihrer Stammesgenossen gekämpft hatten, gelangten zueinem patriotischen Selbstgefühl, das vor den Machthabern keine Win-dungen mehr kannte, sondern den eigenen Werth der Verkennung gegen-über laut betonte. Der blutige Strauß und das Beispiel der Polenhatten sie muthig gemacht. Tapfere jüdische Officiere Herniß^),Blumenfeld, Männer der Feder, Louis Lubliner, Löon Hol-laenderski, führten seitdem eine stolze Sprache, welche an die derMakkabäer erinnerte, ohne die Fehler ihrer Stammesgenosscn zu über-sehen oder zu beschönige». Der in der Verbannung jung verstorbeneBlumenfeld hätte einen Dichterruhm hinterlassen, wenn er länger ge-lebt hätte und den Flug seiner Phantasie zügeln und den Bilderreich-thnm seiner hinreißenden Sprache mit Maß und Takt hätte anwenden
*) Heruiß schrieb gegen die judenfeindlichen Ausfälle I. B. Ostrowski'sim Journal »illolnoe«.