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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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420 Geschichte der Juden.

durch eine Steuer beitragen". Das war vielleicht der Anfang vomEnde Polens".

Zu dem alten, eingewurzelten Vornrtheil des meistens ungebildetenpolnischen Adels gegen die Juden, der, bisher gewöhnt, sie als seineUnterpächter und Zwischenhändler, als brauchbare Geschöpfe, ja fastals seine Leibeigenen zu benutzen, darum einen Widerwillen gegen denGedanken empfand, sie ebenbürtig an seiner Seite zu sehen, zu diesemalten Vornrtheil kam noch ein neues hinzu. Ein fahrender italie-nischer Abt Chiarini hatte kurz vorher in die Posaune gestoßen:er wolle den ganzen Talmud ins Französische übertragen und hattedafür von der russischen Regierung eine namhafte Summe zur Unter-stützung erhalten. Die Juden, welche die Schwierigkeit eines solchenUnternehmens kannten und von den Kenntnissen des Abtes keine großeMeinung hatten, spotteten seiner; da erließ er eine Schmähschrift gegensie. Wie Grattenauer und Frank für die Deutschen, so hat Chiarinifür die Polen Eisenmenger, diesen Inbegriff aller boshaften Verläum-dnngen gegen Juden, und jüdische Litteratur, volksthümlich gemacht.Er fügte zu den alten Schmähungen neue hinzu. Nicht genug, daßdieser Erzjudenfeind die günstigen Urtheile Grsgoire's, Thiery's undMirabeau's widerlegte, frischte er noch dazu die alte Lüge auf, daßdie Inden Christenkinder marterten und schlachteten. Ja, er war frechgenug, einen kindischen Vorfall in einem jüdischen Hofe zu einem hoch-notpeinlichen Verbrechen zu steigern. Eine arme Jüdin in Warschauhatte bei der Säuberung vor den jüdischen Ostern unter anderm Haus-rath auch einen Kasten in den Hof gestellt. Einige Christenknabenhatten einen Spielgenoffen in den Kasten gelockt, den Deckel darübergestülpt und waren davon gelaufen. Bei dem Geschrei des einge-sperrten Knaben war seine Mutter herbeigeeilt, um ihn zu befreien und daraus entspann sich ein Märchen: die Juden hätten das Kindzum Opfer für ihre Ostern ausersehen. Der Abt Chiarini benutztediesen Vorfall, um einen neuen Verdacht des Kindesmordes gegen dieJuden zu erheben. Diese Verdächtigung hätte um so ernstere Folgenhaben können, als damals ein solcher Prozeß gegen einige Juden wegeneines bei Witebsk ermordeten Kindes schwebte. Ein gewissenloser Geist-licher hatte Zeugen aufgestachelt, die Schuld auf einige Juden zuwerfen; diese schmachteten, obwohl schon einmal freigesprochen, lange

ff Chiarini's judenfeindliche Schrift »Hisoris äu .lmlamms« 2 Bds. 1829.Gegen ihn schrieben Jost, Zunz und Abr. Stern, Erfinder der Rechenmaschine.Vgl. I. Tugendhold, der alte Wahn vom Blutgebrauchs, S. 39, Note.