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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Die polnische Revolution von 1830. 419

säulen, die von dem unbeugsamen Feinde aller Umwälzungen, demCzaren Nikolaus, gegen die polnische Grenze gewälzt wurden, zuzerstäuben. Die Juden des Ueberrestes von Polen (Congreß - Polen)wurden dadurch zum Theil in die Strömung und Umgestaltung derwesteuropäischen Inden hineingezogen. Sobald sich eine revolutionäreSicherheits-Miliz in der polnischen Hauptstadt gebildet hatte, richtetenmehrere Warschauer Juden an den Obersten Grafen Lubienski dasGesuch, in die Reihen der Vaterlandsvertheidiger ausgenommen zuwerden. Sie brannten vor Begierde, durch opfermuthige Hingebung sichdie Freiheit und ein Vaterland zu erringen. Lubienski wies sie rund-weg ab, weil sie Juden seien. Ein engherziger Kastengeist beherrschteden polnischen Adel und selbst die Träger der polnischen Litteraturund ließ ihre unvermeidliche Niederlage voraussehen. Der demo-kratische Patriot Lelewel konnte sich ebensowenig wie die Aristokratiezu dem Aufschwung erheben, die Gleichheit einzuführeu und vermittelstihrer die Freiheit zu erkämpfen. Beide Parteien konnten sich nichtdazu entschließen, die Leibeigenschaft aufzuheben, den Bürgern gleicheRechte einzuräumen, und noch weniger dazu, die Juden zu befreien.Sie haben sich dadurch selbst Hunderttausender von Armen beraubt,welche bereit waren, für die erlangte Errungenschaft zu kämpfen.Ganz besonders hätten die Juden der neuen polnischen Republik vonNutzen sein können. Sie schmachteten unter dem unmenschlichen Des-potismus des Kaisers Nikolaus, und jede Familie fühlte die Gefahrüber ihrem Haupte schweben. Unter Nikolaus hatte nämlich das ver-ruchte System begonnen, jüdische Knaben aus den Armen ihrer jam-mernden Angehörigen zu reißen und sie auf die Kriegsschiffe zuschleppen, wo sie unter Knutenhieben den Seekriegsdienst erlernenmußten. Aus den 400 000 Juden in Congreß-Polcn allein, nicht zurechnen die große Zahl derer in den zu Rußland geschlagenen Landes-lheilen, hätte das Revolutionscomitö nach und nach eine erklecklicheSchaar bilden können, die freudig dem Tode entgegen gegangen wäre,wenn sie den Weg der Ehre zur Befreiung ihrer Hinterbliebenen hättebeschreiteu können. Aber mehr noch als die Vermehrung der Kriegerhätte das Geld und die Klugheit der Juden der polnischen Republikvon unberechenbarem Nutzen sein können. Allein die Führer warenmit Blindheit geschlagen, als wollten sie ihre eigene Sache verderben.Der Dictator Chlopizki, welcher durch seine Verschrobenheit die Kraftder Nation eher lähmte als förderte, antwortete auf das erneuerteGesuch zahlreicher Warschauer Juden, sie zur Nationalgarde zuzulassen,mit einem abstoßenden Paragraphen:Da die Juden nicht das Bürger-recht haben, werden sie zur Unterhaltung der öffentlichen Sicherheit