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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

in lauter Fetzen zerrissen. Sklavisch von Basnages Arbeit abhängig,hat er es in eine Leidens- und Gelehrtengeschichte, in eine Ge-schichte der Juden des Morgenlandes und des Abendlandes undin noch kleinere, unzusammenhängende Bruchstücke zerbröckelt. Zwischenden alten Israeliten, den Urahnen und Zeitgenossen der Prophetenund Psalmisten, und den Juden, den Zöglingen der Rabbinen, höhlteJost künstlich eine tiefe Kluft aus und trennte sie so scharf von ein-ander, als wenn diese nicht die Abkömmlinge jener, sondern aus demStein gesprungen wären. Warum? Weil Jost, der Jünger Fried-länders und Jacobsons, die Wunder leugnete, nicht bloß die Wunder,welche die Naturgesetze umkehren, sondern auch die Wunder, welchedurch Begeisterung und zähe Ausdauer vollbracht werden, die Ge-schichtswnnder, welche durch die eigene Verkettung der Umstände, durchStoß und Gegenstoß, Aktion und Reaktion entstehen. Sein nüchternerSinn sah in der Geschichte nur eine Anhäufung von Zufälligkeiten,die keinem Gesetze unterliegen. Darum durften die Juden nicht dienatürlichen Söhne der Israeliten, die Rabbinen nicht die Fortsetzerder Propheten, der Talmud nicht der Ausfluß der Bibel sein, sonstmüßte man ein Wunder zugeben. Indessen hat Jost, und das kannnicht genug wiederholt werden, mit seiner unvollkommenen Arbeit derjüdischen Geschichte doch viel genützt und die Sünde der Vernachläs-sigung ihrer eigenen Erlebnisse unter den Juden gesühnt. Der Sinnfür Geschichte wurde durch ihn außerordentlich geweckt. Josts Ge-schichte gewinnt besonders sehr viel, wenn man sie mit der Roharbeitdes ungebildeten, tölpelhaften Peter Beer (in Prag) vergleicht, derum dieselbe ZeitGeschichte, Lehren und Meinungen aller bestandenenund noch bestehenden religiösen Sekten der Juden" beschrieb *). Gleichseinem Genossen Herz Homberg, Religionsbuchverfertiger im Auftragder österreichischen Polizei, verwerthete Peter Beer wüste Gelehrsam-keit, mit Gedankenhohlheit und Geschmacklosigkeit gepaart, zur Ver-flachung des Judenthums.

Das erhöhte Interesse für die jüdische Geschichte zeigte auch eineumrißliche, gemeinverständliche Darstellung derselben in derselben Zeitin französischer Sprache von Lson Halevy 2). Mehr bedeutet dieserAbriß nicht, als eben ein Zeichen der Zeit. Denn von einem selbst-ständigen Geiste und von Selbstgefühl ist wenig Spur darin. LsonHalevy, Sohn des neuhebräischen Dichters ersten Ranges Elia Halevy(218) und Bruder des Tonkünstlers Fromental Halevy, war seinen

*) Erschienen Brünn 18221823 in zwei Bänden.

") Der Titel lautet: Rssnins üs 1'bistolrs äss ünitb aueisne 1. I., 1825und äse luits inoüernse ü?. II, 1828, 16.