I. M. Jost.
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heit man nicht der ganzen Nation zur Last legen dürfe. Die Judenim Ganzen, bis auf wenige Auswürflinge, seien stets brave Leute ge-wesen, die nie Christenkinder geschlachtet, auch sonst die Vorwürfe nichtverdient haben, welche ihnen gemacht wurden. Nur die Pharisäer undihre Enkel, die Rabbinen, das waren abscheuliche Menschen voller Aber-glauben, Finsterniß und Herrschsucht, welche dem Volke, dem Eigen-thum der Rabbinen, die Hölle heiß gemacht hätten. Die Pharisäerhätten sich in nichts von jenen verkommenen Polnischen Talmud-lehrern unterschieden, welche fast zwei Jahrhunderte Deutschland über-schwemmt hätten. Das ist der Grundton von Josts Darstellung derjüdischen Geschichte. Er wollte zugleich die Bewunderer der jüdischenGeschichte, wie ihre Verächter widerlegen. Niemand verkennt heute dieEinseitigkeit seiner Darstellung, und bereits bei ihrem ersten Erscheinenhat ein Sachkundiger, der zugleich Josts Jugendfreund war, ein hartesUrtheil über sie ausgesprochen: Der erste Theil sei vielleicht vorsätzlichso schlecht geschrieben worden, damit die späteren Theile desto glän-zender ausfallen mögen Z. Dennoch hat Jost mit seiner Geschichts-bearbeitung seinem Stamme einen wesentlichen Dienst geleistet. Erhat seiner Zeit etwas Neues geboten und die unentbehrlichen Grund-lagen der Geschichte, Zeit und Raum, möglichst genau begrenzt. SeineVorgänger, die christlichen Bearbeiter der jüdischen Geschichte, Basnagemitgerechnet, hatten gerade diesen wichtigen Punkt verschwommen oderfalsch gegeben. Er hat ferner auf die damals meistens noch un-bekannten, wenn auch dürftigen Quellen aufmerksam gemacht, auf welchefortan die Augen gerichtet wurden, um sie zu berichtigen und zu ver-mehren. Es kann ihm nicht zum Vorwurf gereichen, daß er dieseQuellen meistens unbesehen als Fundgruben der Thatsächlichkeit be-nützt hat. Es war seiner Zeit nicht gegeben, die Zeugnisse der Ge-schichte auf die Goldwaage zu legen und auf ihren Feingehalt zuprüfen. Für Staatsmänner, welche sich mit der Verbesserung derLage der Juden beschäftigten, war Josts „Geschichte" eine Weg-weiserin und Lehrerin.
Der Hauptfehler der Darstellung Josts darf aber um so wenigerverschwiegen werden, als er bis in sein Alter, trotz besserer Belehrung,zäh daran festhielt. Er hat der unleugbar heldenhaften jüdischen Ge-schichte einen trockenen philisterhaften Charakter gegeben und ihr denSchimmer geraubt, den sie selbst in den Augen unbefangener christ-licher Beobachter hatte. Er hat das vieltausendjährige Heldendrama
Heine, Briefe, I, S. 99.
'Z Erschienen 1820—1828 in 9 Bänden.