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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

für das Labyrinth einen Leitfaden geschaffen zu haben. Josts Bildungs-gang war der der ernsten Jünglinge jener Uebergangszeit, welche vonder Zuchtruthe eines Polnischen Lehrbüttels in die Ungebnudenheit desdeutschen Universitätlebens und von der dialektischen Drehscheibe desTalmud in die akademischen Hörsäle versetzt wurden und dadurch ineine Zwiespältigkeit geriethen. Begabte Naturen bahnten sich selbsteinen Weg, eroberten ein neues Gebiet und gossen das alte und dasneue Wissen zu einem Ganzen um. Mittelmäßige dagegen klammertensich au die Tagesmeinung an und sahen mit Verachtung auf ihrewilden Jugendstudien herab. Während der sogenannten Befreiungs-kriege in der Universitätsstadt Göttingen lebend, wurde in Jost dasInteresse für Geschichte geweckt und der Grund zu dem einseitigendeutschen Patriotismus gelegt, welcher es in seiner Eifersucht für eineSünde betrachtete, neben ihm noch einem andern idealen Herrn zudienen. Seine nüchterne, prosaische Natur, sein Aufenthalt in Berlinund sein Umgang mit dem Kreise der Friedländerianer waren ent-scheidend für Josts Geistesrichtung und drängten ihn in die Schuleder Aufklärung. Ihrer Fahne blieb er bis in sein Alter treu, selbstals diese bereits veraltet und von dem jüngern Geschlechte verlassenwar. Jost könnte gewissermaßen als conservativ gelten. In einemWinkel seines Herzens barg er ein gewisses jüdisch-patriotisches Ge-fühl, das bei ihm mit der Liebe zur hebräischen Sprache zusammen-hing, die er meisterhaft handhabte, und deren Erhaltung und Pflegeer gegen die deutschthümelnden Rabbineu mit Ernst und Feuer ver-teidigte ^). Mit den jungen Stürmern des Berliner Kulturvereinswar Jost nur lose verbunden. In seiner Behaglichkeit und spieß-bürgerlichen Gesetztheit liebte er die Stürme nicht, weder im Leben,noch in der Geschichte. Wozu die Aufregung?

Mit diesem Naturell und dieser Anschauung ging Jost an die Be-arbeitung der jüdischen Geschichte. Als die kindischen Deutschthümlerdie Juden aus Teuts Gauen hinausgewiesen wünschten und die ver-bohrten oder giftigen Judenfeinde, die Rühs, aus den Blättern derjüdischen Geschichte die häßlichsten aussuchten, um sie und ihre Trägerdamit zu verlästern, erwachte in Jost der Drang, sie in einem besserenLichte zu zeigen. Er wollte eigentlich aus ihr beweisen, daß dieJuden stets friedsame Bürger und treue Unterthanen gewesen seien.Sie haben zwar den römischen Kaisern die Zähne gewiesen und sichtüchtig geschlagen; aber das waren nur einige Brauseköpfe, deren Thor-

si Vgl. die Protokolle der Frankfurter Rabbiner-Versammlung 1845, S. 54 f.und die von ihm mitredigirte MonatsschriftZion".