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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Salomon Löwisohn.

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ertüchtigt, durch das Fremde den Werth des Ureignen zu erkenne».Die Schönheit und Süßigkeit der hebräischen Poesie, ihre Hoheit undEinfachheit hat Löwisohn noch tiefer als Herder erfaßt, weil er ver-trauter mit ihr war. Er konnte die hebräische Sprache wie- einetraute Muttersprache behandeln. In ihr feierte er den Zauber derSchönheit, die Wunder der Dichtkunst und zeigte in feinfühliger Aus-wahl die Gesetze, durch welche die hebräische Muse immer und immerans das Gemüth wirkt. Es fehlte Löwisohn nur ein Geringes, umein vollendeter Dichter zu sein, etwas, was kaum bezeichnet werdenkann, vielleicht das Ebenmaß oder das Geheimniß der Einfachheit inder Fülle. Sonst standen ihm alle Zaubcrmittel der Poesie zu Ge-bote: Wortfülle und die Kunst der Malerei. Löwisohn betrachtete dieGeschichte seines Volkes mit zugleich dichterischem und gläubigem Auge.In seinenVorlesungen über die neuere Geschichte *) der Inden" vomBeginn ihrer Zerstreuung bis auf die jüngsten Tage wußte er einfesselndes Gesammtbild davon aufzurollen. Auch einzelne bedeutsamePunkte derselben hob er hervor nnd bezeichnete richtig die Endfäden,von welchen man in diesem scheinbar chaotischen Wirrwarr ansgehenmüsse, nm sich nicht zu verirren. Die Schöpfung des Talmud, überwelchen zu jener Zeit jeder Jude, der in deutscher Sprache zu schreibenverstand, sich zu lachen erlaubte, wußte Löwisohn nach einer Seitewenigstens zu würdigen.Der Talmud, ein Riesenbau des Scharfsinnsund Witzes, unermeßlich . . . wie die Pyramide zu Sais . . . wirdin den spätesten Zeitaltern noch die Blicke gelehrter Forscher auf sichziehen, die staunend nachsinnen werden über die Wesenheit des Volkes,aus dessen Mitte ein solcher Bau hervorgegangen" Dieser jungeMann, dessen jüdisch geschichtliche Skizzen sich nicht uninteressant aus-nehmen, hätte vielleicht ans diesem Gebiete viel leisten können, hättenicht Trübsinn, durch unglückliche Liebe, wo nicht entstanden, so dochvermehrt, ihn im drei und dreißigsten Lebensjahre ins Grab gelegt.

Eine vollendetere Gestalt erhielt die jüdische Geschichte erst durchIsaak Markus Jost (geb. in Bernburg 1793, starb in Frankfurt a/M.1860 2). Er hatte mehr Muth als der ungleich begabtere Zunz, welchermit seinem weiten und tiefen Geist dazu berufen schien. Mit nicht zuläng-lichen Mitteln ging er an diese Riesenarbeit und hat das große Verdienst,

i) Wien 1820.

") Vorlesungen, S. 15.

°) Josts Biographie von I>r. A. M. Goldschmidt, Jahrb. des Literatur-vereins, Jahrg. 1801. fVgl. ferner G. Zirndorf, Isaak Marcus Jost undseine Freunds. 2. Aufl. (Cincinnati, 1887, 8) S. 06, 102, 104, 212 u. Kayser-ling, Gedenkblätter, S. 40j.