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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

vorgenommen werden als wenn es ihr zukämc, über die Recht-gläubigkeit unter den Juden zu Wachen. Anstellung begabter Judenzu Lehrfächern wurde streng abgewiesen. Vergebens hatte sich derMinister Hardenberg für Gans verwendet, ihn zum Katheder für diehistorische Rechtswissenschaft, worin er Meisterschaft bekundete, zubefördern. Gans faßte daher, während er noch im Kulturverein langeReden hielt, die Möglichkeit ins Auge, sich taufen zu lassen^). Derauf diese Weise in Auflösung übergehende Verein starb zuletzt still,unbeweint und unbeachtet. Es war sehr klug von einem der Haupt-träger gerathen, eine geräuschvolle Auflösung desselben zu Hintertreiben;es wäre als Eitelkeit ausgelegt worden und hätte an die Fabel desberstenden Frosches erinnert und einen lächerlichen Eindruck gemacht 2).Der Fahnenträger und Hauptwühler des Vereins, Gans, der be-mittelt genug war, seinem Gelübde treu bleiben zu können, vermehrtedas Christenthum um einen Zweifler und Ungläubigen mehr. Darumwar Heine so entrüstet über ihn und konnte es ihm, obwohl selbstgetauft, zwei Jahrzehnte später, noch über das Grab hinaus, nichtverzeihen:Sein (Gans') Abfall war um so widerwärtiger, da er dieRolle eines Agitators gespielt und bestimmte Präsidialpflichten über-nommen hatte. Es ist hergebrachte Pflicht, daß der Kapitän einerder Letzten sei, der das Schiff verläßt, wenn dasselbe scheitert. Gansaber rettete sich selbst zuerst2)."

Moser, der zweite des Triumvirats des Kulturvereins, bliebzwar standhafter, aber er verzweifelte an der Möglichkeit der Rettungdes Judenthums und verkündete die Massentaufen der Juden.DieJuden, die Juden!" rief er in tragischem Schmerze aus.Es machtmich traurig, an sie zu denken. Es giebt keinen bitterern Kampf derLiebe und des Hasses in einer und derselben Sache, als diesen. Ichsehe aber die nahende Nothwendigkeit, daß ihre Besseren als erklärteApostel des Christenthums das Werk werden vollbringen müssen . . .Der Verein hat es versucht, den harten Uebergang in die Sphäre desfreien Bewußtseins zu ziehen; aber er wurde nicht verstanden, nochviel weniger unterstützt . . . Was wir in Wahrheit gewollt haben,wollen wir auch noch jetzt und könnten wir wollen, wenn wir allegetauft wären . . . das Judenthum hört nothwendig da auf, wo das

*) Heine sagte es bestimmt voraus, daß Gans sich taufen lassen würde, ermuß also an ihm die Inklination wahrgenommen haben. B. an Moser I,S. 231.Ich sehe mit Spannung Gans' Rückkunft entgegen. Er wird alsChrist im wässrigen Sinne des Wortes von Paris zurückkehren. Ich fürchte,Zucker-Cohn wird seinKarl Sand."

2) Bei Strodtmann a. a. O., S. 275.

H Heine, Denkwort an L. Marcus 1844, Ges. Schr. B. XIV, S. 192.