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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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405
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Leopold Zunz. 405

Volk anfängt, sein Bewußtsein von sich als Gottesvolk zu verlierenund zu vergessen" *). Er wußte nicht, daß die Verzweiflungsklage überdie Erstorbenheit der Juden, die er an den Ufern der Spree erhob,an den Ufern des Euphrat schon einmal vor beinahe drei und zwanzigJahrhunderten fast mit denselben Worten ausgestoßen worden war:Das Haus Israel spricht: vertrocknet sind unsere Gebeine, aufgegeben istunsere Hoffnung, wir sind dahin" ^). Aber ein unsterbliches Volk stirbteben nicht, wenn ihm auch kurzsichtige und verzweifelte Schwarzseherden Todtenschein ausstellen. Der Dritte im Triumvirate des Kultur-vereins, Zunz, war der stärkste. Er harrte allein treu aus. Erzweifelte zwar auch, aber verzweifelte nicht an der Besserung. Erdeutete an, womit die Heilung oder die Vollendung der Verjüngungbeginnen müsse.Was allein aus diesem Mabbul (Sündfluth) unver-gänglich auftaucht, das ist die Wissenschaft des Judenthums;denn sie lebt, auch wenn Jahrhunderte lang sich kein Finger für sieregte. Ich gestehe, daß, nächst der Ergebung in das Gericht Gottes,die Beschäftigung mit dieser Wissenschaft mein Trost und Halt ist.Auf mich selbst sollen jene Stürme und Erfahrungen keinen Einflußhaben, der mich mit mir selbst in Zwiespalt bringen könnte. Ich habegethan, was ich zu thun für meine Pflicht hielt. Weil ich gesehen,daß ich in der Wüste Predigte, habe ich aufgehört, zu predigen, dochnicht um dem Inhalt meiner Worte treulos zu werden. Nichts bleibtden Mitgliedern, als, treu sich selber, in ihren beschränkten Kreisenzu wirken und Gott das Weitere zu überlassen"").

Und wenn der Kulturverein, der so hochstrebend begann und sokläglich endete, auch nur dieses Eine erwirkt hätte, die Liebe zurWissenschaft des Judenthums zu erwecken, so ist sein Träumen und» Treiben doch nicht vergeblich gewesen. In der Geschichte geht keinKörnchen zu Grunde. Freilich in dem von den Friedländer undJacobson versandeten Berliner Boden konnte es nicht aufsprießen.Als wenn ein Fluch darauf lastete, konnte in dem Orte, wo Mendels-sohn so znkunftsverheißcnd begann, seit seinem Tode nichts für dieVerjüngung des Judenthums gedeihen. Eine Rabbinenbildungsstätte,welche der damalige Rabbinatsverweser von Berlin im Verein mitguten Kräften ins Leben rufen wollte, erblickte nicht einmal das Lichtder Welt. Von einer andern Seite her, wo man es gar nicht er-wartete, ging, wenn auch nicht das vollendete Heil aus, aber doch dieAussicht auf seinen Eintritt.

fl Strodtmann das. I, S. 283.

fl Ezskiel 37, tl.

fl Strodtmann das. S. 27S.