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Geschichte der Juden.
Dieses Wunder vermochte der Kulturverein am allerwenigsten zuvollbringen, weil er die dreifache Gottesstimmc, welche zu ihm ausder jüdischen Geschichte, aus der jüdischen Lehre in ihrer Ursprüngekeit und aus dem Diamantkern des jüdischen Volkes sprach, nicht ver-nahm. Er umarmte eine Wolke statt einer Göttin, und, weil sie ihnunangenehm durchnäßte, statt ihn zu entzücken, wurde er mürrisch,bitter, zänkisch, beschwerte sich über alle Welt und erging sich in welt-schmerzliche Elegien. Zunächst goß Gaus, sein Hauptträger, die Galleseines Unmuths über die Reichen in Israel aus, weil diese keineTheiluahme für seine weltbewegenden Träume gezeigt hatten. Gansberichtete in der Zeitschrift schwärmerisch von der Verfügung desKaisers Alexander von Rußland, welche die Gemeindevorstäude (Kabuls)aufhob *) und dafür die gewissenhafte Verwaltung russischer Beamtensetzte! Gans brach in Freude darüber aus und knüpfte daran hoch-trabende Betrachtungen: Die Rabbinen hätten im Mittelalter dasselbestarre Prinzip wie die Kirche vertreten, denen gegenüber die jüdischenReichen, das Geld, den jüdischen Adel, gebildet und sich an die Spitzegestellt hätten. Weit verderblicher und erschlaffender als der seichtesteund roheste Rabbinismus ist die Herrschaft des Geldes, weil jenernur unwissend macht, dieses aber niedrig, und es wäre zu wünschen,daß die Innigkeit, mit der hier ein geistreicher Fürst eine bisherwenig beachtete Quelle der Unbildung verstopft, auch im deutschenVaterlande Nachahmung und ein genaueres Beachten der jüdischenGemeindeverfassung nach sich zöge"^). Die hohe Tugend, welche dieJuden ziert, und welche die jüdischen Reichen stets so opferwillig aus-üben, die Barmherzigkeit, die aus der eigenen Mitte, bei beschränktenMitteln, Armenhäuser, Siechenhäuser, Wohlthätigkeitsanstalten allerArt geschaffen hat, verlachte Gaus und seine Gesellschaft. „Die Mit-leidigkeit ist die Tugend, zu deren Fahnen sie (die Reichen) geschworenhaben, weil es eben die sinnlichste Tugend ist. Wo man sie angreift,ist es diese Tugend, die sich ins Mittel legen muß, und wenn manihnen vorwirft, daß sie keine öffentlichen Schulen und keine Verdiensteum geistige Bildung haben, so ist es das öffentliche Lazarcth, welchesdie Vertheidignng übernehmen soll"^. — Auch Zunz spöttelte indemselben Sinne. „Alles ist ein Brei von Beten, Mark Banco und
U Mas vom 1. Januar 1822. Zeitschrift des Kulturvereins S. 533, WarschauerZeitung vom 18. Febr. 1822, Nr. 28.
2) Zeitschrift, S. 539.
Dritter Bericht des Kulturvereins vom Jahre 1823, angeführt vonStrodtmann I, S 273.