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Geschichte der Juden.
hebt und sich zu Gott erhebt" ^). Ein vernünftiger Knabe muß gegen-wärtig über diese hohle Weisheit, wie Hegel sich die Weltgeschichte zu-recht legte, und mit welchem Ernst er Gedankenseifenblasen bildete,lächeln. Heine hat sie daher bei reiferem Bewußtsein weidlich ausgelacht.
Das junge Israel, die Stifter des Kulturvereins, lauschte aberanfangs auf die Aussprüche dieses philosophischen Seiltänzers, alswären sie Orakel, nicht bloß seine Schleppenträger Gans und Wohl-will, sondern auch der Buchhalter Moser, der kleine Marcus, fast Alle.Sie lallten ihm nach: Das Jndenthnm sei die Religion des Geistes,die den Geist aufgegeben, und das Christenthum habe die ganze alteGeschichte verschlungen, um sie erneuert und veredelt aus sich zu setzen.Sie gewöhnten sich auch daran, wie ihr Meister, auf Stelzen zu gehen.Die einfachsten Gedanken gaben sie in verschnörkelten Formeln wieder,als wollten sie nicht verstanden werden. Woher sollte ihnen auch dasHerz für das Jndenthnm kommen? Eduard Gans sprach allerdingsstets von dem „ungestillten Judenschmerz", dachte aber dabei an sich,daß er in Preußen keine Anstellung finden könne. Was sollte dasZiel der Wissenschaft des Judenthums sein, die der Kulturvereinfördern wollte? Gans sprach es in so hohlen Phrasen in hegelia-nischem Kauderwelsch so barock aus, daß man daraus erkennt, er selbst,^ der Fahnenträger, wußte nicht, wofür die Schaar der ihm Folgendeneintreten sollte: „Die Juden können weder nntergehen, noch kann sichdas Jndenthnm anflösen. Aber in der großen Bewegung des Ganzensoll es nntergegangen scheinen und dennoch fortleben, wie der Stromfortlebt in dem Ocean" . . . Sie wollten die Scheidewand einreißen
helfen, die den Juden vom Christen und die jüdische Welt von der
europäischen getrennt hat. Sie wollten jeder schroffen Besonderheit ihreRichtung gegen das Allgemeine anweisen. Sie wollten, was Jahr-tausende neben einander einherging, ohne sich zu berühren, versöhnt ineinander verschmelzen . . . „Keine Fenersänle giebt es jetzt mehr in
Israel bei Nacht, aber Wolken in Menge am Tage. Zerstreuen wir
diese Wolken . . . Wir huldigen dem reinsten Gedanken, ohne dieMittel, ihn zu entehren. Auf denn! Alle, die die hundertfache Fesselund ihre Einschnitte nicht zu Gefesselten machen konnten, auf, die IhrWissenschaft und Liebe zu den Seinen und Wohlwollen über Allessetzt, ans! und schließt Euch an diesen edlen Verein, und ich sehe inder festen Verbrüderung solcher Guten die messianische Zeit heran-gebrochen, von der die Propheten sprachen, und die nur des Geschlechtsjederzeitige Verderbtheit zur Fabel gemacht!" Viel Qualm und kein
°) Das. S. 394, 399 f.