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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Der Berliner Cultur - Verein.

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Labyrinth seines Formelwesens eingeführt nnd sie halb wirre undirre gemacht. Die durch tiefe Beobachtung gewonnene Theorie, daßsich in der Erscheinungswelt dieselben Processe wiederholen, welche indem menschlichen Geiste Vorgehen, wendete er auf die .Natur, Rechts-wissenschaft, Kunst, Staatsbildung, Religionseutwickelung und die Ge-schichte überhaupt an. Aber den Verlauf der Geschichte legte sichHegel mit Klügelei und Willkür zurecht und ging dabei noch weiterals Fichte, man weiß nicht, ob von der ehrlichen oder erheucheltenVoraussetzung aus, daß das Christenthum die Blüthe aller Religionen,und Deutschland, besonders Preußen, das Muster aller Staaten seiund den Abschluß der Weltgeschichte bilde. Das freie und glücklicheEngland stände weit, weit hinter Deutschland zurück. Die Welt-geschichte sei die Entwickelung des Begriffes der Freiheit; aber dieFreiheit verlange, daß sich alle Individuen dem Staatswillen, d. h.dem Machtgebot der Fürsten und ihrer Kreaturen, unterwürfen. Ueberdas Judenthum und die großen Züge seiner Geschichte hatte Hegeleinige abgerissene Gedanken ausgestellt, die meistens sehr albern klingen.Die jüdische Geschichte behandelte er wunderlicher Weise nur als An-hängsel zu Persien. Im Judenthum sei zwar das Bewußtsein vomGeiste" aufgegangen, welcher der Natur gegeuüberstehe; aber dieserGeist sei auch als geistlos gesetzt. Die Gedanken von Sittlichkeit undRecht seien zwar zuerst im Judenthum aufgeblüht; aber der einzelneMensch, das Subjekt, habe im Judenthum (das doch zuerst die Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen betont hat!) keine Freiheit für sich,komme nie zuist Bewußtsein seiner Selbständigkeit. Daher finde sichbei dem Juden nicht der Glaube an Unsterblichkeit der Seele. Nurdie Familie habe da große Bedeutung, aber der Staat bleibe der Ge-setzgebung fern i).Der Tempel Zions ist zerstört, das Gott dienendeVolk ist zerstäubt und auf den Standpunkt des Schmerzes der mensch-lichen Natur in ihr selbst zurückgeworfeu". Die jüdische Empfindungbildet das Verneinte in sich selbst, weshalb sie wesentlich in sich denunendlichen Schmerz empfindet ^). Es ist das alte Lied, daß dasJudenthnm sich nach Versöhnung sehne und sie nicht finden könne.In dem Christenthum habe sich diese Versöhnung vollzogen; hier seidie Gebrochenheit und Entzweiung von Natur und Geist geheilt:Eserschien ein Mensch, der Gott ist, und Gott, der Mensch ist."Diese Einheit darf nicht so aufgefaßt werden, als ob Gott nur Menschund der Mensch ebenso Gott sei, sondern der Mensch ist nur in sofern Gott, als er die Natürlichkeit und Endlichkeit seines Geistes auf-

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, 2 Ausl., S. 241.

-) Das. S. 392.