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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
Entstehung
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mitzurathen und mitzuthaten. Im Ganzen zählte der Verein in Berlinetwa 50 Mitglieder, in Hamburg ans Mitgliedern des Tempelvereinsetwa 20 und noch hier und da einige Teilnehmer. Wie schon erzählt,trat ihm auch Heine später bei und machte für ihn Propaganda.

Die erste Ordensbedingung der Gründer war, treu bei demJudenthnme anszuharren, den Verlockungen der Kirche tapfer zu wider-stehen und so dem jungen Geschlechte ein leuchtendes Beispiel vonStandhaftigkeit und Selbständigkeit zu geben. Wäre der Vereindiesem Programme treu geblieben, so hätte er, da die meisten Mit-glieder auf der Höhe der Zeitbildung standen und geistvoll waren,schon durch diese Thatsache segensreich für das Jndenthum wirkenkönnen. Aber er ging von einer falschen Voraussetzung aus, stecktesich zu ausgedehnte Ziele und vergriff sich in den Mitteln. Es fehltedem Vereine ein praktischer Kopf. Die falsche Voraussetzung war, daß,wenn die Juden sich gediegene Bildung aneignen, sich ans Künste undWissenschaften verlegen, statt des Handels Ackerbau und Handwerketreiben würden, der deutsche Judenhaß mit einem Schlage schwindenwürde, die Söhne Teuts die Söhne Jakobs brüderlich umarmenwürden, und der Staat ihnen die Gleichstellung nicht versagen würde.Darum wollte der Verein es klingt komisch, was er Alles wollte Schulen, Seminarien und sogar Akademien für die Juden gründen,Gewerbe, Künste, Ackerbau und wissenschaftliche Leistungen befördern,die Juden sogar zu einem feinen Gesellschaftston erziehen Z. Aus denAkademien wurde aber nur eine Art Privatschule, worin die gebildetenMitglieder des Vereins armen Jünglingen, die noch immer ans derFremde, namentlich aus Polen, nach Berlin zugewandert kamen, Tal-mudjüngern, die den Folianten entlaufen waren, umWeisheit" zulernen, Unterricht ertheilten oder sie unterrichten ließen. Bald genuggewahrten die Stifter des Vereins, daß sie Luftschlösser gebaut hatten,und derKulturverein" eben wegen seines chimärischen Charakterskeinen Anklang fand. Sie stimmten daher den hohen Ton herab undwollten sich auf Anregung beschränken und namentlich die Wissenschaftdes Judenthnms fördern, was allerdings ein sehr lobenswerthes Unter-nehmen und ein dringendes Bedürfniß war. Sie beschlossen daher,unter einander wissenschaftliche Vorträge zu halten und eine Zeitschriftfür dieWissenschaft des Judenthums" zu gründen. Aber die Führerselbst wußten nicht recht, was darunter zu verstehen sei, was sie an-bauen und befruchten sollten.

Hegel, der tiefe Denker und große Sophist, der Hof- und Kirchen-Philosoph, hatte die für Wahrheit erglühenden jungen Juden in das

') Einleitung zu den Statuten des Kulturvereins, Januar 1822.