Der Berliner Cultur - Verein.
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Landessprache oder spanisch gesprochen wurde, nnd der Gottesdienstäußerlich nicht den Charakter der Verwilderung an sich trug. InItalien verdarb übrigens Manches ein Mann, der es sehr gut meinte,Isaak Samuel Reggio in Görz (geb. 1784, starb 1855), durchseine Schrullen und seine Flachheit. Er hat durch die Art seinesAuftretens die Erhebung der israelitischen Gemeinden zum Selbstgefühlnnd zur Erkenntniß eher gehindert als gefördert. Reggio schrieb vielund in einem nicht unschönen hebräischen Style; aber er verflachteAlles, was er in die Hand nahm.
Wie viel selbst bedeutende Persönlichkeiten durch Verschrobenheit Xoder nebelhafte Verschwommenheit schaden, oder wie sehr sie wenigstensihre eigene Bestrebung vereiteln können, zeigte sich an einem beredtenBeispiel in Berlin, wo der Gegensatz zu den Erfolgen in Wien rechtauffallend erscheint. Zur Zeit, als der gelehrte deutsche Pöbel Steinemit Hep-Hep-Gebrüll ans die Juden schleuderte, traten drei jüdischejunge Männer zusammen, um eine Art Verschwörung gegen den un-duldsamen christlichen Staat anzuzetteln, alle drei von ernstem, idealemStreben erfüllt. Sie dachten reiflich über die Mittel nach, die er-griffen werden müßten, um den tiefgewurzelten Judenhaß der Deutschenzu vertilgen. Diese drei waren: Leopold Znnz (geb. in Detmold1794, gest. in Berlin 1886), ferner der Fahnenträger und Apostel derHegel'schen Philosophie und Stürmer der alten Juristerei, EduardGans <starb 1839). und endlich ein Buchhalter, der in der Bücher-welt lebte, Moses Moser, Heines vertrautester Freund, den dieser„die Prachtausgabe eines wirklichen Menschen, den Epilog von Nathandem Weisen" nannte. Sie vereinigten sich (27. Nov. 1819) zu demZwecke, einen Verein „für Kultur und Wissenschaft der Juden" zugründen*). Gans, eine quecksilberne Natur, der einen Revolutions-führer hätte abgeben können, wenn es gegolten hätte, Gleichgesinnteanzuwerben, eine Fahne anfzupflanzen, Rollen zu vertheilen, feurigeReden zu halten, Gans war der Führer derselben. Diesen drei jungenMännern schlossen sich zwei Gleichgesinnte an, welche für Wissenschaft,Freiheit und Idealismus schwärmten, Immanuel Wohlwill (früherWolf genannt) und der körperlich kleine, aber geistig bedeutende LudwigMarkus, den Heine zugleich gehänselt und verherrlicht hat^). Auchdie beiden versteinerten Mendelssohnianer, Bcndavid und David Fried-länder, traten dem Vereine bei. Jacobson fehlte nicht, wo es galt,
*) Die ersten Quellen für die Entstehung und Thätigkeit des Kulturvereinshat Strodtmann in „Heines Leben und Werke" I, S. 24L f. aus wenig zu-gänglichen Schriften und Privatmitthcilungen zusammengestellt.
°) Heine, Ges. Sehr. XIV, S. 183 f.