Jsacik Mannheimer.
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erkennen. Sein erstes Wort in seinem neuen Wirkungskreise wie seinletztes war: keine Spaltung in der Judenhcit hervorznrufen,keine Sektirerei zu fördern, die Altfrommen nicht durch kühne Sprüngezu verletzen und abznstoßen, sie vielmehr für die neuen Formenallmählich zu gewinnen. In diesem Sinne setzte er eine gemäßigteTempelordnung gegen den Mann, Lazar Michael Biedermann, durch,der ihn zu seinem Amte gefördert hat. Nur die häßlichen Auswüchseentfernte Mannheimer aus dem neuen Gotteshause, machte es würde-voll, belebte es durch sein ausdrucksvolles Wort, behielt aber diehebräische Sprache, das starke Bindemittel, bei und gab, zum Leidwesenseiner ehemaligen Reformgenossen, Orgel und deutsche Lieder Preis.Mehr noch als Isaak Bernays hat Isaak Mannheimer die Versöhnungdes Alten mit dem Neuen durchgeführt.
Auch in seiner Kanzelberedtsamkeit, die von jüdischen und christ-lichen Sachkundigen als höchst bedeutend anerkannt war, zeigte sichdiese harmonische Verschmelzung der beiden scheinbar feindlichen Ele-mente. Mannheimer hatte in der jüdischen Litteratur einen edlenSchatz entdeckt und reichlich ausgebeutet. In der talmudisch - hagga-dischen Litteratur, einer reichen Fundgrube von Kernsprüchen, Para-beln, Gnomen, beziehungsreichen Wendungen und witzreichen An-spielungen, machte er sich heimisch, suchte die Goldkörner aus, oderrichtiger: wußte dem Unscheinbarsten darin eine gefällige Seite abzu-gewinnen, es als bedeutend hervortreten zw lassen, und machte der-gestalt Aussprüche der alten Haggadisten zu Dolmetschern neuer An-schauungen und Gedanken. Seine Predigtweise, worin er GottholdSalomon weit übertraf, erhielt durch Benutzung der haggadischen Ele-mente einen eignen Schliff und übte eine starke Anziehung auf diefrommen Juden und auf das Heranwachsende Geschlecht aus. AuchPortugiesische (fränkische) Juden, welche aus der Türkei sich in Wienangesiedelt hatten, hörten gern den lebhaften und geistvollen Prediger.In Mannheimer wie in dem neuen Tempel in Wien (eingeweiht Aprill826) umarmte sich Morgen- und Abendland. Als wären der WienerTempel und die Gemeinde von Anfang an dazu bestimmt gewesen,das Versöhnungswerk zwischen den alten und neuen Formen zu voll-ziehen, hatte sich für dieselben ein Sangeskünstler gefunden, der mitseinen reichen Stimmmitteln den hebräischen Gebeten einen fast zauber-haften Ausdruck verlieh und den alten verschnörkelten Synagogen-gesang in seelenschmelzeude Melodien umschuf. Diese Melodien machtendie betäubenden Orgeltöne überflüssig und ließen sie als störend er-kennen. In den sanften und schwellenden Chorälen und Solopartiendes Wiener Tempels zeigte sich wie in Mannheimers Predigten, daß