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Geschichte der Juden.
Ueberzengungen, die er hegte und nicht als einen todten Schatz in sichvergrub, sondern rührig zu verwirklichen strebte. Diesen Mann derThat und des Wortes stellte die geschichtliche Fügung auf einen Posten,wo seine kernhafte Natur und Eigenart am wirksamsten eingreifcnund weite Kreise veredeln konnten. Hinterher muß jeder, der dieösterreichischen Zustände von damals und den Aufschwung der öster-reichischen Juden von heute kennt, sich sagen: Mannheimer war fürdie österreichische Hauptstadt, an der Grenze der halbbarbarischenLänder, so recht vorher bestimmt, um die dortigen Inden aus dersittlichen Gesunkenheit zu heben, in die sie Josephs II. Anfklärungs-tyrannei nicht minder als die Judenfeindlichkeit seiner Mutter gestürzthatten, und die Schäden wieder auszubessern, welche die Herz Hom-burg, die Peter Beer und die ganze Schaar der sogenannten „Normal-lehrer" und officiellen Religionslehrer angerichtet hatten.
Ein Häuptling, welcher mit einer Schaar halbwilder Menscheninmitten der widerwärtigsten Kämpfe und Gefahren eine Coloniegründet, sie veredelt und zu einem musterhaften Gemeinwesen um-bildet, hat kein größeres Verdienst, als sich Mannheimer um dieGründung der Wiener Gemeinde erworben. Das Feldlager Metter-nich's und Franz I.. obwohl diese auf dem Wiener Congresse denJuden völlige Gleichstellung verheißen hatten, duldete sie eigentlich nichtin seinem Gebiete; nur ausnahmsweise wurden einige reiche Familienmit ihren Anhängseln unter den wunderlichsten Titeln tolerirt. DieseTolerirten waren ans den verschiedensten Ländern eingewandert undhatten keinen urwüchsigen Zusammenhang unter einander, kein Ge-meinderecht, durften keine Synagoge besitzen, keinen Rabbiner anstellen,kurz, gesetzlich war ihnen als Religionsgenosscnschaft so gut wie Allesverboten. Nichts desto weniger empfanden einige abenteuerliche Gliederein Gelüste, einen deutschen Gottesdienst nach dem Muster des Ham-burger Tempels einznführen, und wurden darin von der Regierungdas eine Mal ermuthigt, das andere Mal entmuthigt. Während dieseWiener Aufgeklärten auf vielen Umwegen den Bau eines Tempelsunternahmen, erwarben sie Mannheimer zum Prediger desselben (seitJuni 1825), waren aber genöthigt, ihm, unter Umgehung der be-schränkenden Gesetze, einen dem Klange nach niedrigen Titel zumZwecke des Heimathsrechts für ihn in Wien zu verschaffen.
Obwohl Mannheimer mit den grundsätzlichen Zertrümmerern desalten Judenthums, mit David Friedländer, Jacobson und den jungenStürmern befreundet war und in den Reformsynagogen in BerlinHamberg und Leipzig zeitweise gepredigt hatte, so hatte er sich dochnicht an diese Richtung so hingegeben, um ihre Grundfehler nicht zu