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Geschichte der Juden.
des Hamburger Rabbinats (Nov. 1821) machte Aufsehen; er war dererste wissenschaftlich geschulte Rabbiner. Ein Zeichen der Zeit wares, daß er diesen Titel ablehnte und sich lieber Chacham, wie esunter den portugiesischen Juden üblich war, nennen ließ; die Unbeliebt-heit des Namens „Rabbiner" sollte nicht ein Hinderniß für seineThätigkeit sein. Treu seinem Widerwillen gegen Nachäfferei, vermieder die geistliche Mummerei, auf welche die Reformprediger auf derKanzel in Tracht und Geberdenspiel so viel Werth legten. Bernaysgab sich nicht als Seelsorger, sondern als Lehrer seiner Gemeindeaus. Er Predigte auch, aber in Inhalt und Form und bis auf Aeußer-lichkeiten grundverschieden von der Weise, welche die Jacobson'sche Schuleeingeführt hatte. Seine Predigten waren natürlich in der ersten Zeitsehr besucht; die Neugierde hatte auch Viele von der Reformparteiherbeigezogen. Sie wurden zwar, vermöge seines eigenartigen Ge-dankenganges von der Menge nicht verstanden; aber denkende Zuhörersprachen ihm wenigstens Originalität zu, welche gegen die Flachheitder Tempelprediger abstach. Als Heine, der sich damals noch praktischfür das Judenthum interessirte, in Hamburg war, trieb es ihn,Bernays' Predigt anzuhören, um einen Vergleich anstellen zu können.Er verstand sich auf Gedankengehalt und Form, oder wie Zuuz vonihm sagte: „Unser Heine hat in einem Finger mehr Geist und Sinn,als alle aufgeklärten Minjonim (Betgemeindchen) Hamburgs" ^). DasUrtheil des lyrischen Spötters war: „Bernays habe ich predigen ge-hört ... keiner von den Juden versteht ihn, er will nichts und widauch nie eine andere Rolle spielen; aber er ist doch ein geistreicherMann und hat mehr Spiritus in sich als Kley, Salomon, Auerbach Iund II."-). Heine gerieth wegen seiner scheinbaren Parteinahme fürBernays, weil er ihn über die Reformprediger stellte, in einen Streitmit dem rührigsten Mitgliede des Tempelvereins, das ihn deßwegenbei seinem Oheim anschwärzte ^). Die Parteisache war zu einer klein-lichen Personenfrage herabgedrückt.
Bernays wußte sich durch geräuschloses Wirken nicht bloß dieAchtung der Gemeinde zu erhalten, sondern auch die der stocksrommenJuden auswärts zu gewinnen. Ihre argwöhnische Natur fand nichtsau dem religiösen Thun und Lassen des Chacham ausznsetzeu. Da-durch erlangten die von ihm eingeführten Veränderungen, im eigent-lichen Sinne doch Reformen, auch in frommen Gemeinden Beifall undNachahmung. Mehr noch wirkte er durch seine tiefeingeheude und
9 Bei Strodtmann, „Heinrich Heines Leben und Werke", B. I, S. 266.
-) Heines Brief an Moser vom Aug. 1823. Briefe, B. I, S. 103.
Strodtmann das. I, S. 298,