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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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I. Bernays in Hamburg.

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einem knotigen Stricke umzuflechten, der es an den kanaauitischen Bodenisolirt, fest und unablösbar knüpfen sollte. Ja, wessen Geist war derneu eingehauchte? War er deß', der über den Cherubim thronte?Nein! Menschengeist war es, die ReflexionEin Rabbiner altenSchlages hätte denBibel'schen Orient", wenn er den Inhalt hätteverstehen können, unfehlbar noch mehr verketzert, als Meudelssohn'sund Wessely's Schriften. Er enthält allerdings viel Unreifes, Ba-rockes und Manches, was ans Lächerliche streift. Aber wenn der Ver-fasser auch nur den einen Gedanken angeregt hätte, daß das Juden-thum eine weltgeschichtliche Aufgabe, ein Apostelamt für die Völkerhabe, so würde dieses Eine schon hinreicheu, ihm einen Ehrenplatz inden Jahrbüchern der jüdischen Geschichte anzuweisen. Dieser Gedankeist zwar nicht neu von ihm entdeckt worden; die Grundschrift desJudeuthums betont ihn scharf genug. Bei den Propheten erscheinter als der Kern ihrer Verkündigungen. In der Geschichte hatte ersich bewährt, die europäischen und asiatischen Völker wurden durchdas dem Judenthum erborgte Licht ihrer Finsterniß entrissen. Aberdie gehäuften Leiden der Juden und die Knechtsgestalt des Juden-thums hatten diesen Gedanken so vollständig in Vergessenheit gebracht,daß die eigenen Söhne keine Ahnung mehr davon hatten. Das Ver-dienst dessen, der diesen Gedanken gewissermaßen wieder entdeckt hat,ist daher nicht gering anzuschlagen.

Bernays' außergewöhnliche Begabung und urwüchsige Anschauunghatten die Aufmerksamkeit der jüdischen Kreise auf ihn gelenkt. Erhat zwar später die Vaterschaft desBibel'schen Orients" abgeleugnet;aber wenn Bernays ihn nicht verfaßt haben sollte, so hätte er ihnverfassen können, es ist Fleisch von seinem Fleische oder Geist vonseinem Geiste.

Die Hamburger Gemeinde, welche eine Gegenkraft gegen denTempelverein vermißte, wählte ihn in Folge seiner Bedeutung zu ihremgeistlichen Führer. Es war ein guter Griff und von nicht geringerTragweite. Dem Kampfe, den die beiden berechtigten Principien miteinander führten: die Erhaltung des Judenthums in seiner Eigenarteinerseits, und die Annäherung der Juden an die europäische Kulturandererseits, waren die Rabbinen des alten Schlages nicht gewachsen.Ihre Waffen waren rostig nnd beschädigten die Vertheidiger mehr nochals die Gegner. Junge Kräfte mußten dazu angeworben werden, welche,mit der Zeitbildung vertraut, sie zur Würdigung und Läuterung desJudenthums verwerthen konnten. Die Wahl Bernays' zur Besetzung

') Das. II, S. 4.