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Geschichte der Juden,
richtung gegen die Verflachung der aufklärerischen Reform bildete. InSüddentschland hatte sich überhaupt gegenüber dem norddeutschenFormelwesen, welches ans dem engen Gesichtskreis des handgreiflichVerständigen nicht heranskam, eine mystisch-philosophische Schule ge-bildet, welche eine Art Geisterseherei trieb. Sie erblickte in Allem,im Kleinsten wie im Größten, in Natur und Geschichte, in Gruppirung,Zahl, Farben und Namen lauter Gedankenreihen, Jdeenkeime, zer-schlagene Trümmer eines Riesenspiegels, welcher den Urgedanken inunübersehbarer Größe zurückwerfe. Diese grübelnde süddeutsche Schuleder Kreuzer, Kanne, Oken, zu denen auch noch Schelling ge-hörte, vertiefte sich in den Ursprung der Religionen und Sprachen,ebenso in die indische, egyptische und griechisch-römische Mythologie,in den Cultus der Urreligionew und deren Symbole und Mysterien.Sie entdeckte da gegliederten Zusammenhang, wo der eingeengte Ver-stand nur Zufall und Spielerei wahrnahm. In dieser Schule hattesich Isaak Bernays gebildet. Seinem Auge offenbarte sich das Jnden-thnm in seiner Litteratur und seinem Geschichtsgange in einer bis da-hin noch nicht gesehenen Gestaltung. Bernays' Geist, von über-sprudelndem Gedankenreichthum erfüllt, fand in allen Erscheinungenharmonische Gliederung und Entfaltung eines Urgedankens, der zurorganischen Auseinanderlegung seines Inhaltes in die Zeitform, indie Geschichtsentwickelung eingegangen sei, und sich vom Urbeginn derSchöpfung bis auf die jüngste Weltgestaltung fortgesponnen habe.Bernays war der Erste, der, viel tiefer als Mendelssohn, das Juden-thum in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung erkannte und dessen Litte-raturumfang mit großem Blicke überschaute. Sein Fehler war viel-leicht, daß er zu viel Gedanken hatte, daß er dadurch zu viel suchteund fand, und besonders, daß er dem Gedanken nicht die angemesseneForm und Worthülle zu geben vermochte. In seinem Reichthumblickte er verächtlich mitleidig auf die Gedankenarmuth der jüdischenReformgründer herab, welche den Riesengeist des Judenthums, vondem sie keine Ahnung hatten, in den engen Rahmen eines Katechismusfür große und kleine Kinder einspannen und einengen wollten. Die„Friedländerianer" waren für ihn der Inbegriff aller Flachheitund Beschränktheit. Weil diese in einigen Spiegeltrümmern das Bilddes Judenthums in verkehrter Stellung erblickten, oder vielmehr, weilsich ihr eigenes Bild darin abspiegelte, glaubten sie das Judenthnmumgestalten zu müssen und zu können. Sie machten auf Bernays denEindruck eines Gesindels, das in einem Pyramidentempel haust undihn sich bequem für kleinliche häusliche Bedürfnisse einrichtet. „Siesdie Jünger Mendelssohns^, ihres Alterthums sich schämend, ziehen