Isaak Bernays.
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es vor, als Findelkinder der Gegenwart, losgebunden und wild, überdie unmodischen Schranken des Gesetzes galant zu Hüpfen, als in derSchule ihres Stammesbildung aufznhorchen, was zu dieser Zeit derGott gewirkt" *). „In der Modesucht liegt auch der wahre Grund derso üppigen Productivität der modernsten jüdisch-litterarischen Pflanze,jüdische Katechetik genannt, welche Katechisme großentheils eher die Tendenzverrathen, eine bequeme Einigungs-- ja Uebergangsbrücke zum Protestan-tismus d. h. zur reinen Begriffsreligion auf die gemeinmoralischenPfeiler biblischer Stellen zu schlagen." .... „Bei der Ignoranz seinerselbst, worin großentheils den Juden die barbarische Acht stürzte, mitder man ihm in den letzten Jahrhunderten alle Geistesquellen unter-sagte und ihn eben dadurch desto lüsterner nach dem kühlen Mode-gewässer machte, mußte sich der unhistorische Wahn seiner bemächtigen,daß, wenn auch er den Kieselfels des mosaische» Buchstabens erklommen,von dieser kahlen Höhe aus, dem Talmud, der ihn durch das Mittel-alter fast miraculös leitete, jetzt tapfer den Gehorsam aufkünden würde,er eben sie durch seine geistige Großjährigkeit.. . documentiren dürfte."
Bernays' Gedankengang, mit dem er das Judenthum in seinemKopfe aus dessen Urkunden und aus dessen Geschichte wie aus Trümmer-massen wieder aufbaute, ist uns nur halb erschlossen. Er liebte mehrmündliche als schriftliche Belehrung und hatte eine Scheu davor, seineGedanken auf Blättern hinausflattern zu lassen. Der „Bibel'scheOrient" 2), den man ihm zuschrieb, enthält nur den Grundriß einerVorhalle, welche in den Ehrfurcht gebietenden Tempel führen sollte.Diese in der Form barocke, aber durch Tiefe und Ursprünglichkeit aus-gezeichnete Schrift geht von dem Gedanken aus, daß das Judenthumdie Aufgabe habe, den von Gott abgefallenen, gottähnlichen Menschenzu ihm wieder zurückzuführen, und daß das jüdische Volk dem Menschen-geschlecht als Vorbild diene, wie die verloren gegangene Gottähn-lichkeit des Menschen und der innige Zusammenhang desselben mitGott wieder zu gewinnen seien. Ganz besonders soll durch diesen Volks-stamm, seine Lehre und seine Geschichte der abhanden gekommene Ge-danke von der göttlichen Einheit und der allgegenwärtigen Vorsehungfür die Menschen wieder lebendig werden. Das Judenthum sei alserste Reformation aufzufassen, als Gegensatz gegen das durch den Ab-fall des Menschen überhand genommene Götzenthum, entstanden durchdie Zerklüftung der göttlichen Eigenschaften in selbstständige Wesenund Verbildlichung der Gottheit. Die Spuren dieses Prozesses, wie
*) Bibelscher Orient II, S. 54 ff.
2) Der Titel lautet: Der Bibel'sche Orient. Eine Zeitschrift in zwangloserHeften. Zwei Hefte, München 182l, 8.