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Geschichte der Juden.
„Heuchler und Scheinheilige *)", welche „die Zwietracht in Israelnähren und den Söhnen, welche zur Huld des Vaters znrückkehrenwollen, den Weg versperren". Er stellte die Andacht, die im Tempelherrschte, dem lärmenden Treiben in den Synagogen gegenüber alsMuster auf. Ganz aufrichtig war diese Ermahnung und dieser Tadelnicht. Lazar Rießer war von einer gewissen Eitelkeit zu deklamiren,wie hebräische und deutsche Phrasen zu drechseln, nicht ganz frei. Esscheint, daß er eine kleine Rache an den Hamburger Rabbinats-verwesern habe nehmen wollen, durch die er sich vielleicht znrückgesetztglaubte. 2 ).
Die altfromme Partei in Hamburg, welche geglaubt hatte, daßsich von den Rabbinen in ganz Europa nicht ein einziger zu Gunstender Neuerung aussprechen würde, war bitter enttäuscht. Durch dieGeschäftigkeit Jacobsons und Libermanns hatte das jüdische Publikumerfahren, daß mehrere Rabbinen von weit her ihr das Wort geredet;nur ein Einziger, Akiba Eger 41., Rabbiner der NachbargemeindeAltona, hatte sie verdammt. Die alten Rabbinen hatten sich dabei näm-lich so schläfrig und lässig gezeigt, daß sie zweimal aufgefordert werdenmußten, ehe sie ihr Urtheil gegen den Tempel abgaben. Das Ham-burger Rabbinat hatte außerdem in der ersten Aufwallung die Un-klugheit begangen, auch das Unschuldige und Löbliche, das im Tempeleingeführt worden war, zu brandmarken, z. B. die portugiesische Ans-sprache des Hebräischen, das Unterlassen des Singsangs bei den Vor-lesungen aus der Bibel. Um diese seine Fehler wieder gut zu machen,beschränkte das Collegium seinen Einspruch später auf drei Punkte,indem es sich gegen die Kürzung des Gebetes, namentlich gegen dieUnterlassung der Messiashoffnung, gegen die Gebete in deutscher Spracheund endlich gegen die Einführung der Orgel wandte. Dazu erlangtees endlich die Zustimmung von angesehenen Rabbinen und Rabbinaten:vier deutschen (Fürth, Mainz, Breslau, Hanau), fünf italienischen(Triest, Modena, Padua, Mantua, Livorno), drei preußisch-polnischen(Posen, Lissa, Rawitsch) und zwei mährischen (Nikolsburg und Trietsch)Das Prager Rabbinat, Mose Sßofer in Preßburg, der deutsche Rab-
U (Als „Heuchler und Scheinheilige" werden (S. 15) vielmehr diejenigenbezeichnet, dis „ihnen sden Rabbinatsverwesern) falsche Berichte zutragen vonHandlungen, die da sün Tempel) Vorgehen". Man wird übrigens zu einemmilderen Urtheil über L. Rießer gelangen, wenn man Jslers Mittheilungen(Gabr. Rießers ges. Schriften I, S. 2. 9. 22 und 30—61) berücksichtigt.)
") Die Aufzählung seiner Verdienste und seiner Bescheidenheit, daß er zurRabbinatsfunktion berufen worden sei und abgelehnt habe, S. 19 f. in hebräischenPhrasen, documentirt seine gekränkte Eitelkeit. Auch sein Styl in zeugt
von Koketterie und Geziertheit.