Lazar Rießer.
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nur ein Collegium von drei Rcibbinatsverwesern (l)ajjnnim), die durch-weg unbedeutend waren: Barnch Osers, Mose Jakob Jafa undMichael Speier. Obwohl diese officicllen Vertreter des Juden-thnins in Hamburg fast die ganze Gemeinde hinter sich hatten, tratensie doch der Neuerung ohne besonder» Nachdruck entgegen. Das Col-legium ließ nur kurz nach der Eröffnung des Tempels eine schwäch-liche Bekanntmachung in den Synagogen anheftcn (26. Oct. 1818hdaß kein Jsraelite von frommer Gesinnung sich des neuen Gebetbuchesbedienen dürfe, weil darin gegen das Herkommen wesentliche Stellenweggelassen oder verändert seien. Aber auch diese Erklärung verlorihre Wirkung, als der Gemeindevorstand, den die Verweser nicht ein-mal für ein thatkräftiges Vorgehen zu gewinnen gewußt hatten, siewieder abnehmen ließ und gegen deren Urheber den Tadel aussprach,daß „sie sich eine unbefugte, nicht zu duldende Anmaßung haben zuSchulden kommen lassen." Später ließ der Vorstand zwar ans An-trag des Collegiums die Leiter des Tempels Vorladen (8. Nov.) und
eröffnete ihnen, daß sic ihr Gebetbuch außer Brauch setzen möchte»,
weil es nicht mit dem bei allen jüdischen Gemeinden eingeführten
Ritus übereinstimme. Aber die Templer lachten diese Zumnthnngförmlich aus.
Der Tempelverein erhielt noch dazu von einer Seite, von der eres nicht erwarten konnte, eine moralische Unterstützung, die in Ham-burg selbst ein bedeutendes Gewicht in die Wagschale warf. LazarRießer (starb 1828), Vater des unermüdlichen Vorkämpfers für dieGleichstellung der Juden in Deutschland, wurde stets zu den Alt-frommen gezählt. Schwiegersohn des Rabbiners Raphael Kohen undseine rechte Hand, wurzelte sein ganzes Wesen im Talmud. Rießerwar durch die Berzichtleistung seines Schwiegervaters auf das Rab-binat brotlos geworden; die Hoffnung, die er gehegt zu haben schien,unter dessen Nachfolgern Sekretär des Rabbinats-Colleginms zu bleibenoder gar Mitglied desselben zu werde», hatte sich nicht erfüllt. Somußte er Lotterie-Agent werden und hatte durch einen günstigen Zu-fall die Pacht der Lübecker Stadtlotterie erhalten. Er hatte einehebräische Lebensbeschreibung von Raphael Kohen veröffentlicht, inwelcher er nicht bloß ihn, sondern dessen ganze rabbinische Richtungverherrlichte und sich selbst als treuen Anhänger derselben erklärte.Wie erstaunt waren daher die Hamburger Juden beider Parteien, alsmit einem Male von Rießer ein Sendschreiben „an meine Glaubens-genossen in Hamburg" (Decbr. 1818) erschien, welches die Tempel-Neuerung billigte und die dagegen eifernden Hamburger Rabbinats-verweser mit derben Worten tadelte! Er nannte diese geradezu