Geschichte der Juden.
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erfüllt. Er legte ihnen keineswegs Punkte von großer Tragweite,z. B. die Ausmerzung der messianischen Stellen aus den Gebeten,sondern lediglich wenig verfängliche Fragen zur Begutachtung vor.Aaron Chorin (Choriner), Rabbiner in Arad (Ungarn), ein zwei-deutiger Charakter und ein langweiliger Schwätzer von angefirnißterBildung und mittelmäßiger talmudischer Gelehrsamkeit, der im Standewar, ein und dieselbe Albernheit dreimal zu wiederholen sin hebräischerSprache, in deutscher und jüdisch-deutscher Schrift), war der erste, dersich von Libermann gebrauchen ließ. Er huldigte den neuen Be-strebungen, ohne ein geklärtes Urtheil zu haben. Mose Kunitz,Rabbiner von Ofen, war zwar ein Mann vom alten Schlage, wollteaber aus eigener Querköpfigkeit oder Narrheit eine gesonderte Stel-lung neben seinen Standesgenossen einnehmen. Er war der zweiteFürsprecher für die Neuerung im Gottesdienst. Wohlhabend und vonseiner Gemeinde unabhängig, konnte Kunitz seinen Grillen folgen. Einer-seits hatte er närrische Gelehrsamkeit entfaltet, um den Beweis zuführen, daß das kabbalistische Grundbuch Sohar alt sei und vonSimon ben Jocha't stamme, und auf der andern Seite redete er Neue-rungen das Wort, die nach der kabbalistischen Theorie geradezu zurVerdammniß führen. — Zwei italienische Halbrabbiner, Schein-TobSamun aus Livorno und Jakob Vita Recanati, sprachen sichebenfalls zu Gunsten der Neuerung ans. Die Gutachten sämmtlichervier nicht ganz zurechnungsfähiger Männer lauteten: daß die Ein-führung der Orgel nicht gegen das rabbinische Gesetz verstoße. Choriuallein brachte noch für alles Uebrige, auch für deutsche Gebete Beleg-stellen herbei. Alle diese Gutachten brachte Libermann zusammen, be-kräftigte sie durch seine eigene Scheingelehrsamkeit und fügte eine Lügehinzu- daß nicht nur das ganze Rabbinat von Livorno, sondern auchdas von Jerusalem den Gebrauch der Orgel im jüdischen Gottes-dienste für unbedenklich erklärt hätte. Die Gutachten, durch den Druckverbreitet, sollten dazu dienen, dem Hamburger Reform-Tempel gleichbei seiner Geburt den Charakter der Unbescholtenheit zu verleihen undvon ihm den Makel zu entfernen, den, wie vorauszusehen war, dieRabbinen der alten Schule ihm anheften würden.
Während die Reformpartei rührig war, um jeder Schwierigkeitim Voraus zu begegnen, war die altfromme Partei träge und ließdie Gefahren für ihre Ueberzengnngen rathlos heraukommen. Ham-burg hatte damals, wie gesagt, keinen Rabbinen an der Spitze, sondern
diesem Manne. Und doch sind sie entschieden zu Gunsten des Hamburger Tempelsgesammelt. Es geht daraus hervor, daß Jacobson mit den Hamburgern untereiner Decke steckte.