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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Jude».

einige hundert Jünger (Lnoburim) zählten, gingen nach und nach ein^).Diese Verödung pflanzte sich bis nach Polen fort, da die dortigenTalmndjünger keine Hoffnung mehr hatten, in Deutschland und Frank-reich ein Unterkommen zu finden. Sie wanderten wohl noch nachDeutschland, aber nur um sich auf die Wissenschaft (Lboaluuot) zu verlegen,oder sie wendeten sich, wenn sie in der Heimath blieben, der bestrickendenMystik des Nen-Chaßidäerthums zu. Nur vier Rabbinen des jünger»Zeitalters genossen, vermöge ihrer tiefen Talmudkenntnisse und ihreslautern, patriarchalischen Charakters eine ausgedehnte Autorität: M or-dechai Benet in Nikolsbnrg, (starb in Karlsbad 1829), Jacob Lissa inPolnisch-Lissa (starb in Polen 1832), Akiba Eger (aus Güns in Ungarn,seit 1814 in Posen, starb 1838) und sein Schwiegersohn MoseSofer aus Frankfurt a/M. (starb in Preßbnrg 1840). Diese vierRabbinen haben den Eifer für das Talmudstudinm durch ihre scharf-sinnige Methode erhalten. Der durch seinen erstaunlich haarscharfenGeist und durch hohe Tugenden, unter denen die Bescheidenheit obenanstand, ausgezeichnete Akiba Eger genoß bei den Tausenden von Jüngern,die aus seinem Lehrhause in Märkisch-Friedland und Posen hervor-gegangen waren, eine an Vergötterung streifende Verehrung. Er warein stiller Mann ohne Initiative und ein Feind alles Lärmschlagens.Dagegen war Mose Sßofer ein fanatischer Eiferer und rühriger Ver-ketzerer. Er hatte Muth und Entschlossenheit, die keinerlei Rücksichtkannten, und hätte einen entschiedenen Vorkämpfer abgeben können.Aber er wie seine Genossen waren von dem Mittelpunkt des Kampfes,der eröffnet werden sollte, zu sehr entfernt, als daß sie hätten ein-greifen oder auch nur eine Fahne aufpflanzen können. Sie hattennicht das geringste Verständniß für die neue Richtung, welche die Zeitund mit ihr die Judenheit eingeschlagen hatte, und so auch kein Be-wußtsein von der Bedeutung der Sache, die sie vertraten. Sie kanntenden Feind nicht, den sie angriffen, oder verachteten ihn zu sehr, alsdaß sie ihu hätten gefährden können. Trat eine ernste Frage, einebedrohliche Lage ein, so waren sie rathlos, holten die alten, rostig ge-wordenen Waffen herbei und schadeten ihrer Sache nur noch mehr,weil sie ihre Blößen zeigten. Diese Unbeholfenheit gab ihnen dasGefühl der Schwäche und Abgelebtheit. So war die altfromme, ortho-doxe wie ihre Gegner sie mit falscher Entlehnung aus der Kirchen-sprache nannten oder die conservative Partei Haupt- und kopflos, ohneFahne, ohne Programm, ohne Zusammenhang, ohne Disciplin, ohneBewußtsein ihrer eigenen Stärke. Ganz besonders mangelte ihr das

ff D. Friedländer, Über die Verbesserung der Israeliten im Königreich Pohlen(Berlin 1819), S. 1l und S. 32. Note.