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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

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redner gefunden hätten, der, mit der biblischen und jüdischen Litteraturmehr vertraut, und lebhafteren Geistes, die Nacktheit des neuen Kindesmit einer Hülle zu umgeben verstand. Aber wie er dem Tempeleinen vollständig protestantischen Zuschnitt verlieh, so gab er durchseine Selbstgefälligkeit und geringe Demnth ihm auch einen heraus-fordernden Charakter. Mit Salomon begann in der deutschen Juden-heit der Einfluß der Prediger; die Kanzel nahm die Stelle desLehrhauses ein, und von ihr herab erklang nicht selten das hohltönendeWort, das die Gedanken oder die Gedankenleere verbarg. Die rauschendenOrgeltöne riefen verschwommene, inhaltsleere Stimmungen hervor undverdrängten den vollen Ernst und den Gedankenreichthum der urjüdischenLehre. Mit der Messiashoffnnng hatte der Tempelverein officiell ge-brochen, ohne sich recht klar geworden zu sein, welche Stellung dasJudenthum ferner neben dem Christenthnm einnehmeu sollte. EinigeReformeiferer dachten schon daran, eine vollständige Trennung herbei-zuführen, und sich von dem Beitrage zur Gesammtgemeinde loszusagen.

Tiefere Naturen, selbst solche, welche das praktische Judenthumnicht mitmachten, fühlten sich aber von diesem sklavischen Nachahmender kirchlichen Formen im Anzug der Prediger, im Ton und in derHaltung eher abgestoßen als angezogen. Das ewigeGepredige",zumal die Nachäffung des salbungsvollen geistlichenGethues" warihnen besonders zuwider. Sie prophezeiten dem Tempel keinen langenBestand. Ein treffender Witz charakterisirt das geringe Vertrauen,welches selbst Gesinnungsgenossen in den Bestand des Tempels setzten:Die Prediger in Hamburg werden reiche Leute und können am Ende,wenn es schief geht, sich eine Gemeinde jMinjau) halten" ^). Indessenhegten die Unternehmer und Führer die anfangs berechtigte Täuschung,daß der Tempel die dem Judenthnme entfremdeten Söhne durch dieneue, zusagende, gefällige und wenig Entsagung fordernde Gestalt mitihm versöhnen und sie ihm wieder zuführen würde. Sie vermeinten durchVerabreichung verdünnter religiöser Speisen den Ekel überwinden zukönnen, welchen die verweltlichten Juden gegen Alles, was jüdisch hieß,empfanden. Hin und wieder gelang es allerdings, einige mit demJudenthnme Zerfallene von dem Ueberschreiten der Schwelle zurKirche zurückzuhalten. Aber für die Dauer schlug das Mittel nichtan. Indessen ist das Verdienst des Hamburger Tempels, wie wenigglänzend auch sein Ursprung ist, nicht zu unterschätzen. Er hat denhochangesammelten Wust der Jahrhunderte mit einem Schlage, ohne

eingenommenen Mannes über den Leipziger Tempel, den Ableger des Hamburger,ließ sich vernehmen in Geigers Zeitschrift II, S. 49ö.

U Heines Briefe I, S. 266.