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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

die deutsche Predigt, die Jacobson meistens selbst hielt. Sie übteden meisten Reiz aus, weil die sogenanntengottesdienstlichen Vor-träge" der Rabbiner und der polnischen oder mährischen Wander-prediger nach jeder Seite geschmacklos und anwidernd waren. Dochfand er es für rathsam, junge Männer heranzuziehen, die ein klang-volles Organ hatren, eine gewisse Zierlichkeit im Vortrage zeigten undzum Theil sich in der Kirche an Schleiermachers Beredtsamkeit geschulthatten. Auf gründliche Kenntnisse in der jüdischen Theologie, aufwarme Ueberzeugung für die angestammte Lehre, auf feste Gesinnungwurde weniger gesehen. Diese Jacobson'sche oder Beer'sche Privat-synagoge wurde eine Pflanzschule für angehende jüdische Prediger.Jakob Auerbach (starb in Berlin), Eduard Kley (starb in Hamburg)und C. S. Günsburg (starb in Breslau) waren die ersten, die sichin demselben praktisch herangebildet haben, Männer von mittelmäßigerBegabung und von mittelmäßigem Rednertalent, als sollte das Ueber-maaß des talmudisch-zersetzenden Verstandes durch das Gegenmittelder Flachheit geheilt werden. In Deutschland unter den Nenernugs-süchtigen und in Polen unter den Chaßidäern bildeten gleichzeitig diePrediger die Sendboten der neuen talmudfeindlicheu Richtung.

^ Indessen wurde der Berliner Betsaal plötzlich von der preußischenRegierung auf Grund der Beschwerden einiger Altfrommen wegenNeuerung geschlossen. Der damalige König von Preußen, FriedrichWilhelm III., war allen Neuerungen, auch in jüdischen Kreisen,abhold und haßte sie als Umsturzversuche. Kley, ein Jünger AaronWolfsohns, von dem er jedoch die Liebe für die hebräische Litteraturnicht gelernt hatte, begab sich hierauf nach Hamburg, zur Leitungeiner dort von einigen reichen Familienvätern gegründeten Freischule.Hier regte er den Plan an, einen Reformtempel nach dem Musterdes Jacobson'schen ins Leben zu rufen.

Auch hier war die Andächtelei und Kirchlichkeit in Schwung ge-kommen. Die verweltlichten Hamburger Juden schämten sich vor ihrenchristlichen Geschäftsfreunden, so ganz und gar religionslos zu sein undgriffen zu dem ihnen gebotenen Mittel, ohne Unbequemlichkeit undEntsagung gottesdienstliche Formen mit ansprechendem, der Kircheentlehntem Gepränge mitzumachen und hin und wieder in kirchlicherHaltung gesehen zu werden. Die Anregung zu einem Reform-Gottes-dienste fand Anklang. Kley hatte ein fertiges Programm aus Jacob-sons Betsaäl mitgebracht: Deutsche Gesäuge und Gebete, Predigt undOrgel. Er selbst lieferte ein sogenanntes religiöses Gesangbuchin protestantisch-erbaulichem Geschmacke, inhaltsleer und fade, für einKindergeschlecht berechnet, als ob es keine Psalmen, diese Muster reli-