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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

davon ergriffen, diesem stamm- und kunstgenössischen Troubadour einDenkmal setzte. Mit seinem Zauberstabe erweckte er Jehuda Halevi'sSchatten ans dem Grabe und führte ihn in der ganzen Idealitätseiner Erscheinung und in der ganzen Gluth seiner Begeisterung vor*).

Bis zu seinem letzten Hauche kämpften in Heine die zwei welt-geschichtlichen Bildungsprincipien, die keusche Sittlichkeit des Juden-thums und die Formenschönheit des Griecheuthums, die er beide be-wunderte, aber nicht zu versöhnen vermochte.

Die Gegensätze sind hier grell gepaart,

Der Griechen Lustsinn und der Gottgedanke Judäas,

O dieser Streit wird enden nimmermehr,

Stets wird die Wahrheit hadern mit dem Schönen"st.

Er selbst ahnte, daß die harmonische Vermischung beider Elementedie Aufgabe der europäischen Civilisation sei st; aber er vermochte nicht,sie in sich zu vollziehen. Aus diesem Kampfe ging seine Zerrissenheithervor, aber zugleich auch sein Drang, sie beide durch Spott zu bemeistern,um sie eben nicht Herr über sich werden zu lassen.

Die Judenheit hat diesen ihreistbeiden abtrünnigen Söhnen, Börneund Heine, viel zu verdanken. Sie haben den deutschen Judenhaß,wenn auch nicht vertilgt, so doch gebändigt. Was Heine einst bei derErinnerung an die Hep-Hep-Tollheit sagte:Auch dergleichen kannnicht wieder Vorfällen, denn die Presse ist eine Waffe, und es giebtzwei Juden, welche deutschen Styl haben, der eine bin ich, der andereist Börne" st, diese Prophezeiung hat sich so ziemlich erfüllt. So arge,rohe Ausbrüche gegen die Juden sind seit ihrem Auftreten nicht sobaldin Deutschland vorgekommeu. Die Rühs', Fries' und andere Juden-fresser, welche den Juden alle höhere Begabung absprachen, konntenseit der Zeit nicht mehr einen so hochfahrenden Ton anstimmen. Be-gabtere, kunstsinnigere, feinfühligere Schriftsteller als diese beiden Judenkonnte Deutschland nicht aufweisen. Die närrische Deutschthümelei,die Maaßmann'sche und die Wolfgaug Menzel'sche, die religionsschillernde,wie die urwäldliche, haben diese beiden jüdischen Kämpfer thatkräftiger

st Die Beilage zum Romanzero über Jehuda Halevi im Makamenstyle istbekanntlich M. Sachs, religiöse Poesie der Juden in Spanien S. 287, entlehntund Heine's Gedicht Jehuda Ben Halevy ist durch Sachs' Schilderung angeregtworden.

st Alfred Meißner, C. Heine, Erinnerung, Gedicht an dieMönche'"S. 253, 256.

st Ges. Schr. B. XX, S. 77.

st Hermann Schiff, Heine, S. 24.