Börne's und Heine's Bedeutung.
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bei den jetzigen Machthabern . . . Ja, statt mit der Unmöglichkeit zuringen, statt die Abschaffung des Eigenthnms tollköpfig zn decretiren,erstrebte Mose nur die Moralisation (Versittlichung) desselben; er suchtedas Eigenthum in Einklang zu bringen mit der Sittlichkeit, mit demwahren Vernunftrecht, und Solches bewirkte er durch die Einführungdes Jobeljahres, wo jedes aliemrte (entfremdete) Erbgut, welches beieinem ackerbauenden Volke immer Grundbesitz war, an den ursprüng-lichen Eigenthümer zurückfiel, gleichviel in welcher Weise dasselbe ver-äußert worden. — Diese Institution bildet den entschiedensten Gegen-satz zu der Verjährung bei den Römern . . . Mose wollte nicht dasEigenthnm abschaffen, er wollte vielmehr, daß Jeder dessen besäße,damit Niemand durch Armuth ein Knecht mit knechtischer Gesinnungsei; Freiheit war immer des großen Emaucipators letzter Gedanke,und dieser athmet in allen seinen Gesetzen, die den Pauperismus be-treffen. Die Sklaverei haßte er über alle Maßen schier ingrimmig . . .Wollte aber ein Sklave, den das Gesetz endlich befreit, durchaus nichtdas Haus des Herrn verlassen, so befahl Mose, daß der unverbesser-liche Lump mit dem Ohr an den Thürpfosten des herrschaftlichenHauses angeuagelt wurde . . . O Mose, unser Lehrer, Mosche Rab-benu, hoher Bekämpfer der Knechtschaft, reiche mir Hammer und Nägel,damit ich unsere gemüthlichen Sklaven in schwarz-roth-goldner Livreemit ihren langen Ohren festnagele an das Brandenburger Thor"Der Geist des jüdischen Gesetzes und der jüdischen Geschichtewar allerdings über diesen verirrten Sohn Israels gekommen undhat ihm eine Offenbarung gebracht, die nur Wenige vor ihm in ihrerTiefe begriffen, keiner auch nur entfernt so lichtvoll dargestellt hat.Wie für die Weisheitstiefe in den Gesetzen und den Geisteskampf inden Jahrtausenden der jüdischen Geschichte -), so hatte Heine auch fürdas echte Gold der Poesie, die dem größten jüdischen Dichter desMittelalters entströmt ist, ein richtiges Verstäudniß. Kaum hatteMichael Sachs, der Prediger mit der Psalmistenseele und der Propheten-sprache die verhüllten Schönheiten der „religiösen Poesie der Indenin Spanien" entschleiert und besonders den verdunkelten Glanz desDichters Jehuda Halevi Abulhassan wieder hergestellt, als Heine, tief
>) Geständnisse, B. XIV, S. 293-380.
") Vgl. die Bemerkungen Heine's über Juden, Judenthum und jüdischeGeschichte in „letzte Gedichte und Gedanken Heine's" S. 19S f. Besondersschön ist folgende Bemerkung: „Die jüdische Geschichte ist schön, aber die jungenJuden schaden den alten, die man weit über Griechen und Römer setzen würde.Ich glaube, gäbe es keinen Juden mehr, und man wüßte, es befände sich irgendwo ein Exemplar von diesem Volk, man würde 180 Stunden reisen, um es zusehen und ihm die Hand zu drücken — und jetzt weicht man uns aus."