Heine's Gedanken über Juden.
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lichen Katholicismus. Heine's Vielseitigkeit entdeckte ihren Ursprungim Judenthume. Auch über den Talmud sprach er, selbst iu seinerZerfallenheit, mit seiner feinen Fühlung, ein tiefes Wort: daß dieJuden es diesem zu verdanken hätten, daß sie dem christlichen Romebenso heldenmüthig, wie einst dem heidnischen widerstehen könnten ^).
In zunehmendem Alter, als ein tiefes Nervenleiden den Gedanken-spiegel seines Geistes noch Heller machte, und er den Vorzug der aufReligiosität gebauten Sittlichkeit vor der sinnlichen Schönheit erkannte,kehrte Heine zu seiner Jugendliebe, zu seiner Verehrung für dasJudenthum, ganz und gar zurück. Seine „Geständnisse (1853—54)sind begeisterte Hymnen auf die jüdische Geschichte und den jüdischenStamm, und man hört es ihnen an, daß sie ernst gemeint waren.Für die Bibel hat er, der feinfühlige Dichter, stets geschwärmt^).„Die Juden sollten sich trösten, , daß sie Jerusalem und die Bundes-lade eingebüßt haben; solcher Verlust ist nur geringfügig im Vergleichmit der Bibel, dem unzerstörbaren Schatze, den sie gerettet . . . DieWiedererweckung meines religiösen Gefühls verdanke ich jenem heiligenBuche (der Bibel), und dasselbe ward für mich ebenso sehr die Quelledes Heils, als ein Gegenstand der feurigsten Bewunderung . . . Ichglaube mir schmeicheln zu dürfen, daß mir der Charakter des Mosein der ersten Abtheilung des heiligen Buches (des alten Testamentes)einleuchtend aufgegangen ist. Diese große Figur hat mir nicht wenigimponirt. Welche Riesengestalt! Wie klein erscheint der Sinai, wennver Mose darauf steht! Dieser Berg ist nur das Postament, woraufdie Füße des Mannes stehen, dessen Haupt in den Himmel hinein-ragt, wo er mit Gott spricht . . . Ich hatte Mose früher nicht sonder-lich geliebt, wahrscheinlich weil der hellenische Geist in mir vorwaltendwar, und ich dem Gesetzgeber der Juden seinen Haß gegen alle Bild-lichkeit, gegen die Plastik, nicht verzieh. Ich sah nicht, daß Mose,trotz seiner Befeindung der Kunst, dennoch selber ein großer Künstlerwar, und den wahren Künstlergcist besaß. Nur war dieser Künstler-geist bei ihm, wie bei seinen egyptischen Landsleuten nur auf dasKolossale und Unverwüstliche gerichtet... Er baute Menschen-Pyra-miden, meißelte Meuschen-Obelisken, er nahm einen armen Hirtenstammund schuf daraus ein Volk, das ebenfalls den Jahrhunderten trotzensollte, ein großes, ewiges, heiliges Volk, ein Volk Gottes, das allenandern Völkern als Muster, ja der ganzen Menschheit als Prototypdienen konnte: er schuf Israel . . . Wie über den Werkmeister, habe
i) lieber Deutschland oder Salon, B. V, S. 104.
S. Briefe aus Helgoland vom Jahre 1d30, B. XII, S. 63 f.