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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

den Verhältnissen und auf die Weise, wie er bei mir vollzogen wurde,auch für Andere keine Bedeutung hätte. Für mich hätte er vielleichtdie Bedeutung, daß ich mich der Rechte meiner unglücklichen Stammes-genossen mehr weihen würde. Aber dennoch halte ich es unter meinerWürde und meine Ehre befleckend, wenn ich, um ein Amt in Preußenanzunehmen, mich taufen ließe. Im lieben Preußen!.... Ich werdenoch aus Aerger katholisch und hänge mich auf" ^). Er that es dennoch,um in Preußen eine Stelle zu erlangen, mehr noch, um sich dadurchvon der drückenden Abhängigkeit von seinem Oheim zu erlösen. Insein Tagebuch zeichnete er folgende Verse darüber ein:

Und du bist zu Kreuz gekrochen,

Zu dem Kreuz, das du verachtest,

Das du noch vor wenig WochenIn den Staub zu treten dachtest" 2 ).

Einige Zeit darauf (20. Juli 1825) legte er seine Prüfung als Juristab. Er jagte dennoch Phantomen nach und gab seine Ehre für Nichtspreis. Denn er bekam keine Anstellung und konnte der Unterstützungseines Oheims nicht entrathenb). Verschämt wie ein Mädchen, dassich etwas hat zu Schulden kommen lassen, theilte Heine seinem Busen-freunde Moser in verblümter Redeweise seine Taufe mit:Ein jungerspanischer Jude, von Herzen ein Jude, der sich aber aus Luxusüber-> muth taufen läßt, korrespoudirt mit dem jungen Jehuda Abrabanelund schickt ihm ein Gedicht, ans dem Maurischen übersetzt. Vielleichtscheut er es doch, eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unum-wunden mitzutheilen, aber er schickt ihm jenes Gedicht. Denke nichtdarüber nach^)."

Heine wurde durch seinen Uebertritt nur noch erbitterter aufdas Christenthum, als wenn es ihn zum Treubruch, zur Ehrvergessen-heit und zum Abfall von sich selbst verleitet hätte.Ich versichereDich," schrieb er an seinen Busenfreund,wenn die Gesetze das Stehlensilberner Löffel erlaubt hätten, so würde ich mich nicht getauft haben."Er freute sich, daß der Prediger am Hamburger Tempel, GottholdSalomo, in seinem Beisein auf die getauften Juden und auf ihn selbststichelte: wie sie von der bloßen Hoffnung, eineStelle" zu bekommen,sich verleiten ließen, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden.

An Moser Briefe I, S. 115.

2 ) Heine's letzte Gedichte und Gedanken, herausgegeben von Strodtmann1869, S. 43, mit der Ueberschrift:An einen Abtrünnigen."

3) Seine Aussicht auf eins Advokatur in Hamburg und eine Professur inBerlin blieben Illusionen, Briefe das. 240.

Das. S. 231. Der Brief ist nicht gar zu lange nach Heine's Taufe ge-schrieben, und nicht, wie bei Strodtmann angegeben, Anfang Nov. 1825.