Der Rabbi von Bacharach.
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„Brich aus in lauten Klagen,
„Du düsteres Märtyrlied,
„Das ich so lang' getragen,
„Im flammenstillen Gemüth.
„Es dringt in alle Ohren„Und durch die Ohren ins Herz;
„Ich habe gewaltig beschworen,
„Den tausendjährigen Schmerz.
„Es weinen die Großen und Kleinen,
„Sogar die kalten Herrn,
„Die Frauen und Blumen weinen,
„Es weinen am Himmel die Stern'!
„Und alle die Thränen fließen„Nach Süden im stillen Verein.
„Sie fließen und ergießen„Sich all' in den Jordan hinein^)."
Der Roman war in der That großartig angelegt. Er solltezwar in Deutschland spielen, aber die spanisch-jüdische Geschichte, dieVerbannung der Inden aus Spanien und die gewaltsamen Taufensollten den Vordergrund einnehmen. Die Hauptfigur, den Rabbinenvon Bacharach, ließ der Dichter in dem schönen Pyrenäen-Lande freieLuft und befreiende Bildung einathmen. Er und seine schöne GattinSara, eine eben so edle, wie echtjüdische Frau, sollten das alte Juden-thum in würdiger Form vertreten. Ein Ritter von jüdischem Geblüte,ein Neffe des jüdischen Staatsmannes Abrabanel, mit spanischemStolze, der aus Leichtlebigkeit sich hat taufen lassen, sollte eine andereSeite der Juden veranschaulichen. Er ist im Gegensatz zu seinemFreund, dem ideal gesinnten Rabbiner von Bacharach, ein Spottvogeff.Er sagt von sich: „Ich bin ein Heide, und ebenso zuwider wie die dürren,freudlosen Hebräer sind mir die trüben, quälsüchtigen Nazarener."Beim Anblick der schönen Rabbinersfrau bietet er sich zu ihrem Ritteran. Treffend läßt der Dichter sie antworten. „Wenn Ihr meinRitter sein wollt, so müßt Ihr gegen ganze Völker kämpfen, und wennIhr meine Farben tragen wollt, so müßt Ihr gelbe Ringe auf EurenMantel nähen . . . Das sind meine Farben, die Farben meinesHauses, welches Israel heißt, und sehr elend ist und auf den Gassenverspottet wird von den Söhnen des Glückes." Der Rabbi, der denvon ihm geretteten Freund plötzlich wiedererkennt, warnt ihn vordem Christenthume, das er mit den Lippen bekennt. „Aber hüteDich, Don Isaak, Du bist nicht geschaffen für das Element des
r) Brief an Moser S. 177, auch in der Gedichtsammlung.