Druckschrift 
11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
Entstehung
Seite
358
Einzelbild herunterladen
 

358

Geschichte der Jude».

jüdischenMerkwürdigkeiten", diesem Denkmal des Frankfurter Juden-hasses, zu wühlen. Aber er wußte auch aus Spreu und Staubetwas zu ziehen.Der Geist der jüdischen Geschichte offenbart sichmir immer mehr und mehr, und diese geistige Richtung wird mirgewiß in der Folge zu statten kommen"*). Er ahnte durch den helden-haften märtyrreichen Gang der jüdischen Geschichte einen Zusammenhangin den Plänen der Vorsehung:Dasselbe Jahr, in dem die Juden

aus Spanien vertrieben wurden, wurde das neue Land der Glaubens-freiheit entdeckt" 2). Am meisten zog ihn die Glanzepoche der mittel-alterlich-jüdischen Geschichte, die Geschichte der spanischen Juden an.Auf diesem Vordergründe wollte er stolze Juden auftreten lassen, dieihren Nacken nicht unter das Joch deutscher Judenstättigkeit undkanonischer Anmaßung beugten und ihre Religion mit Bewußtseinbekannten. Aber da auch diese Epoche damals nur dürftig bekanntwar, so sehnte sich Heine nach ergiebigem Stoff, aber Niemand konntedamals seinen Durst löschen. Anstatt markiger Thatsachen reichten ihmdiejenigen, an die er sich wendete, gehacktes Strohs). Nicht einmalüber die Familie Abrabanel, die er in den Roman verweben wollte,konnte er gründliche Auskunft erlangen. Aber Heine ließ sich keineMühe verdrießen, interessanten Geschichtsstoff für seinen Roman zusainmeln. Dieses Produkt sollte nicht ein Kind seines Hasses, sondernseiner Liebe sein. Er spiegelte sich förmlich darin:Weil es ausder Liebe hervorgeht, wird es ein unsterbliches Buch werden, eineewige Lampe im Dome Gottes, kein verprasselndes Theaterlicht." Ersprach mit Bewußtsein, daß nur er dieses Werk schreiben könnte, unddaß es eine nützliche, gottgefällige Handlung seist. Heine sah voraus,wie viel neue Feindschaft ihm dieser jüdische Roman, worin er dasJudenthum obenan zu stellen gedachte, zuziehen würdest aber er ließsich von dieser Voraussicht nicht entmuthigen und arbeitete ruhig weiterdaran, unter körperlichen Leiden und Vorbereitung für die Prüfungin der Rechtswissenschaft.

Wie viel sich Heine von diesem Roman, dem Rabbi von Bacharach,versprach, und wie sehr es aus seinem Herzen kam, bezeugt ein Ge-dicht, das er dazu angelegt )24. Okt. 1824), das allerdings nicht zuseinen besten lyrischen Erzeugnissen gehört:

st Das. S. 167.st Das. S. 169.st Das. S. 179.st Das. S. 214.st Das.