Almansor.
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Rücken kehrten und sich zu dem Feinde gesellten. Ernste Ueberzengungkonnte sich Heine bei einem getauften Juden nicht denken; die Taufesei Selbstbetrug, wo nicht gar Lüge. Das Evangelium, das denArmen Judäas vergebens gepredigt worden, sei jetzt bei den Reichenin Flor ^). Diesem Hasse gab Heine eine poetische Gestalt in einemdramatischen Gedichte Almansor (vollendet 1823). Er fand es aberunpassend, Juden auftreten zu lassen, welche in glühenden Versenihren Schmerz und ihre Verachtung anssprächen; darum legte er sieMuselmännern in Granada in den Mund, die durch teuflische Bosheitdasselbe herbe Geschick wie die Juden erfuhren, zur Taufe gezwungenworden waren, und dadurch einen klaffenden Riß in ihrem Herzenempfanden. Die Verse lassen nicht verkennen, daß sie den jüdischenSchmerz aushauchen:
„Geh nicht nach Alys Schloß. Pest-Oertern gleich„Flieh jenes Haus, wo neuer Glauben keimt.
„Dort zieht man Dir mit süßen Zangentönen„Aus tiefster Brust hervor das alte Herz,
„Und legt Dir eine Schlang' dafür hinein.
„Dort gießt man Dir Bleitropfen, hell und weiß,
„Aufs arme Haupt, daß nimmermehr Dein„Hirn gesunden kann vom wilden Wahnsinnsschmerz,
„Dort vertauscht man Dir den alten Namen„Und giebt Dir einen neuen, damit Dein Engel,
„Wenn er Dich warnend ruft beim alten Namen,
„Vergeblich rufe!"
Heine machte keine Hehl daraus, daß nicht die freie Muse diesesDrama geschaffen, sondern daß die Antipathie gegen das Christenthumund der Drang, es zu bekämpfen, es eingegeben hat; darum hielt eres selbst für verfehlt und erwartete keine tiefe Wirkung davon").Dieses Drama zog in der That dem jüdischen Dichter viele Feind-seligkeit zu. Durch seine Gedichte, welche als echte Volkslieder mittiefem Gehalte richtig beurthcilt wurden, hatte er sich die Bewunderungder Besten erworben. Man stellte ihn neben Goethe oder noch höher,weil seine Lieder warme Natürlichkeit und nicht kalte Kunst enthielten.Sie wurden nachgeahmt und in Musik gesetzt. Deutschland war stolzauf Heine geworden, daß es einen neuen Dichter von Gottes Gnadenerzeugen konnte. Diese Bewunderung schützte ihn aber nicht vor Ver-unglimpfungen. Die Deutschen konnten cs dem Inden nicht verzeihen, ,daß er die blutigen Thaten oder llnthatcn des Christenthnms poetischzu gestalten gewagt hat. Die Wogen des Judenhasses umbrandeten
1) Briefe, B. I, S. 44.
2) Das. S. IIL.
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