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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Heine. - 351

Kreis von Inden, in dem noch Kernhaftigkeit, hohe Tugend undSittlichkeit heimisch waren, stieß ihn wegen der unästhetischen Außenseiteund des Beisatzes von religiösen Formen, für die ihm das Verständnißfehlte, vollständig ab. Sein Schönheitssinn fühlte sich von der häßlichenAußenseite des Judenthums und seiner Vertreter verletzt. Seine Angenvermochten nicht sogleich die häßlichen Hüllen zu dnrchdriugen. DerKreis verfeinerter Juden, zu dem er in beginnender Mannesreife inBerlin zugezogen wurde, die älteren Männer, Friedländer, Bendavid,Jacobson und der Nachwuchs, hatte selbst kein rechtes Herz für dasJudenthum, um ihm Opferwilligkeit dafür einzuflößen. In den halb-jüdischen Kreisen, in denen er ebenfalls während seines Aufenthaltesin Berlin verkehrte, lvie in dem der bereits getauften Rahel vonVarnhagen, vernahm er nur gründliche Verachtung für Juden und XJudenthum und eine schwärmerische, romantische Vorliebe für dasChristenthnm.

Heine war aber nicht so unselbstständigen Urtheils wie Börne,um vor den Gedankengötzcn des Tages das Knie zu beugen. Er ließsich seine Zugethanheit znm Jndenthnme nicht wegklügeln. Er schloßsich vielmehr dem Vereine mehrerer Jünglinge und junger Männerzur Hebung der Kultur unter den Juden an (ausgenommen am 4. Aug.1822) und trat hiermit auch dem unausgesprochenen Eide der Mit-glieder bei, sich nicht um einer Staatslaufbahn willen taufen zu lassen *).

Es war allerdings ein unbestimmter Drang, der ihn, wie die Mit-glieder des Vereins, trieb; aber es zeugt doch von seinem Willen,seinerseits an der Veredlung seiner Stammesgeuossen zu arbeiten.

Er übernahm Aufträge, um für die Verbreitung und Stärkung desVereins thätig zu sein ?). Selbst von den von aller Welt verachtetenPolnischen Juden hatte Heine eine bessere Meinung und redete ihnendas Wort. Von seinem Freunde, dem Grafen de Breza, nach einemGute (bei Gncsen) im Herzogthum Posen eingeladen, veröffentlichte er(Herbst 1822) eine originelle Schilderung von Land und Leuten inPolen, die viel Treffendes enthält. Darin urtheilt er von den Juden:Zwischen dem Bauer und dem Edelmann stehen in Polen die Juden.

. . . Sie können füglich der dritte Stand Polens genannt werden.Unsere Compendienmacher, die an Alles den deutschen, wenigstens denfranzösischen Maßstab legen, schreiben mit Unrecht, daß Polen keinendritten Stand habe, weil dort dieser Stand von den übrigen schroffabgesondert ist, weil seine Glieder am Mißverständniß des altenTestaments Gefallen finden, und weil derselbe vom Ideal gemüthlicher

U Heines sämmtl. Werke, Briese I, S. 91, und Strodtmann, I, S. 258.

2) Brief an Moser das., S. 4t1 f.