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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Bürgerlichkeit, wie dasselbe in einem Nürnberger Frauentaschenbucheunter dem Bilde reichsstädtischer Philisterhaftigkeit so niedlich undsonntäglich schmuck dargestellt wird, äußerlich noch sehr entfernt ist..Sie sehen also, daß die Juden in Polen durch Zahl und Stellungvon größerer volkswirthschaftlicher Wichtigkeit sind, als bei uns inDeutschland, und daß, um Gediegenes Überdieselben zu sagen, etwasmehr dazu gehört, als die großartige Leihhaus-Anschauung gefühl-voller Romanschreiber des Nordens oder der natnrphilosophischc Tief-sinn geistreicher Ladendiener des Südens ... In früheren Zeitenstanden indeß die Juden in Kultur und Geistesausbildnng weit überdem Edelmann, der nur das rauhe Kriegshandwerk trieb und nochden französischen Firniß entbehrte. Jene aber beschäftigen sich meistensmit ihrer hebräischen Wissenschaft und Religionsbüchern, um derent-willen eben sic Vaterland und Lebensbehaglichkeit verlassen. Aber siesind offenbar mit der europäischen Kultur nicht fortgeschritten, undihre Geisteswelt versumpfte zu einem unerquicklichen Aberglauben, deneine spitzfindige Scholastik in tausenderlei wunderliche Formen hinein -quetscht. Dennoch trotz der barbarischen Pelzmütze, die seinen Kopfbedeckt, und der barbarischeren Ideen, die denselben füllen, schätzeich den Polnischen Juden weit höher, als so manchen deutschen Inden,der seinen Bolivar auf dem Kopfe und seinen Jean Paul im Kopfeträgt. In der schroffen Abgeschlossenheit wurde der Charakter despolnischen Juden ein Ganzes . . . Der polnische Jude mit seinemschmutzigen Pelze, seinem Barte und seinem Gemauschel ist mir nochimmer lieber, als Mancher in seiner staatspapiernen Herrlichkeit"').Das ist eine andere und treffendere Schilderung, als sie SalomonMaimon von seinen Landsleuten entworfen hat. Heine sah tiefer inden Grund der Dinge und Verhältnisse. Er wurde aber nicht wenigvon den Deutschen in Polen gehaßt, weil er den Juden wie denPolen das Wort geredet, und besonders weil er die Elfteren zu derStellung eines dritten Standes erhob 2).

Heine wäre mit seinem ganzen Wesen fürs Judenthum einge-treten, wenn es selbst, d. h. seine Söhne, Kraft des Geistes undCharakters entfaltet, wenn es, mit der Würde seines hohen Alters,seines Inhaltes und seines Berufes Jugendfrische und anziehendenReiz verbunden und der gebildeten Welt hätte Achtung abgewinnenkönnen. In seiner Ungeduld wünschte er, daß das Judenthnm, gleichdem in Rom gefesselten Messias in der Sage, plötzlich seine zerlumpteHülle, seine aussätzige Haut, seine gebeugte Knechtsgeslalt abstreifen

H Das. S. 13S144.

H Brief an Wohlwill, 2. April 1823 das. I, S. 85.