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Geschichte der Juden.
sie auch übertrieb. Er war aber auch zu stolz und trug den Kopfzu hoch, als daß er seinen Schmerz hätte zeigen sollen, verschloß ihnvielmehr in seiner Brust, spielte den Starken und spottete. Der Spott,die Ironie, der Humor, der die eigenen Thränen weglächelt, das war^ der Panzer, mit dem er sein wundes Herz bedeckte. Da seine Idealeschon in seiner Jugend verflogen waren, Liebe, Treue und die Hoffnungauf eine unabhängige Stellung, die sich nur durch reiche Mittel be-haupten ließ, so überzog sich in seinen Angen das Leben mit einemTrauerflor. Er verlor seinen Glauben, und wenn die Poesie ihn nichtaufrecht erhalten hätte, wäre er, wie viele begabte Jünglinge seinerZeit, die für ihren Drang keinen Wirkungskreis fanden, wie z. B.Grabbe, untergegangen. Aber die Dichtkunst und die Formenschönheitwaren ihm etwas Heiliges, und er betrachtete sich als einen geweihtenPriester derselben; nur verstand er sie anders und tiefer, als seineKunstgenossen. Die Schalkhaftigkeit war bei ihm zuerst nur Maske,um sein zerstörtes Innere zu verhüllen oder sich durch Spott wegenseiner zerstörten Ideale zu kühlen. Aber dieser Schild, den er so leichtund zierlich handhabte, wurde in seiner Hand bald zur Waffe und rißihn hin, sie als Reizmittel öfter gegen seine eigene Ueberzengnng zugebrauchen.
Für das Judenthnm oder richtiger für den jüdischen Stamm, diejüdische Leidensgeschichte und die heiligen Schriften hegte er in tiefsterBrust eine warme Zugeneigtheit, die ihm nur nicht recht klar wurde.Das Steinalter des Jndenthnms, seine der Zeit und den tausend-fältigen Widerwärtigkeiten trotzende Fortexistenz imponirte ihm. Heinefühlte sich zu Zeiten stolz, diesem uralten Adel anzugehören. Waser später in zunehmendem Alter schrieb, war tief empfunden: „Ichsehe jetzt, die Griechen waren nur schöne Jünglinge, die Juden aberwaren immer Männer, gewaltige, unbeugsame Männer, nicht bloßehemals, sondern bis auf den heutigen Tag, trotz achtzehn Jahr-hunderten der Verfolgung und des Elends. Ich habe sie seitdembesser kennen und würdigen gelernt, und wenn nicht jeder Geburts-stolz ein närrischer Widerspruch wäre, so könnte ich stolz darauf sein,daß meine Ahnen dem edlen Hause Israel angehörten, daß ich einAbkömmling jener Märtyrer bin, die der Welt einen Gott und eineMoral gegeben und auf allen Schlachtfeldern des Gedankens gekämpftund gelitten haben" '). — Dieses Bewußtsein schlummerte dunkel vonseiner Jugend an in ihni. Er wußte aber nicht, was er mit demJudenthume anfangen, welche Stellung er dazu einnehmen sollte. Der
r) Geständnisse V. XIV., S. 295 f.