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Geschichte der Juden.
ist die Seele meiner Feder, bis sie stumpf geworden, oder meine Handgelähmt. — Die neue Verfolgung, welche die Juden im ungelehrigenDeutschland erduldet, ist keine frisch aufgelebte, sie hat sich nur auf-gerafft im letzten Kampfe des Todes. Die Flamme des Hasses lodertnoch einmal hell ans, um ewig zu erlöschen. Das tröste die Leidenden^)."Diese Hoffnung tröstete ihn, wie sie seinen Vorgänger Lefrank (o. S. 241)getröstet hat.
Börne war ein schlechter Prophet, wie er auch ein schlechterPhilosoph und Geschichtskenner war. Er, ein kühner Herold der Frei-heit, der mit Siegermiene ihr Blutzeuge geworden wäre, betrachteteAlles ans diesem einzigen Gesichtspunkte. Was mit der Freiheit zu-sammenhing, hatte für ihn Werth; alle übrigen Betrachtungsweisenblieben ihm unverständlich. Hatte er sich doch am Ende seiner Tagenoch von dem Farbenschimmer des neuen Freiheitsevangeliums vonLamennais blenden lassen und im Katholicismus den ewigen Hortder Völkerfreiheit verehrt! David Strauß' „Leben Jesu" galt ihmfast als Gotteslästerung Man saugt nicht ungestraft in der Jugendfalsche Lehren ein, und wer nicht starken Geistes ist, verfällt im Alterin sie zurück. Die Christelei und Deutschthümelei, die Börne in Berlinund Halle, im Hause seiner „Mutter" und im Umgänge mit Schleier-macher und Steffens in seinen Geist ausgenommen hatte, wurden inihm in seinem Alter wieder lebendig, und er wäre vielleicht auch ein„Apostat des Wissens und Neophyte des Glaubens" geworden, dieer verspottet, wenn ihm der Tod Zeit dazu gelassen hätte. SeinGeist konnte nicht in die Tiefe der Dinge dringen; strenge Prüfungwar nicht seine Sache, er war zu träge dazu. Sein Zerwürfniß mitHeine, seinem langjährigen Kampfgenossen und Freunde, entspann sicheben daraus, weil dieser nicht an die alleinseligmachende Freiheit desPapstthums und an die Vollkommenheit des deutschen Volkes geglaubthat^). Börne hätte gewünscht, daß die Juden ihre tausendjährigeGeschichte als einen bösen Traum vergäßen und deutsche Männerwürden. Er hatte nicht Heines Tiefblick.
i) Der ewige Jude, B, VI, S. 3—68.
Vgl. die Receusion von Heines I'VIIemag'ue, Ges. Schr. B. VII, 269 f.und Beurman's Ludwig Börne als Charakter und in der Literatur, ,S. 8l f.
0) Kündigen braucht es nicht gesagt zu werden, daß Börne den Streit mitHeine provocirt hat; seine feindselige Schrift gegen ihn erschien bereits 1835französisch, und Heine's Buch über Börne erst 1849, wobei jener das volle Rechtder Vertheidigung hatte; nur beging er den Fehler, sie erst nach seines GegnersTode zu veröffentlichen. Der Tadel der Ueberhebung, den Heine's Feinde indem Titeli „Heine über Börne" fanden, trifft nicht den Vsrf. Bekanntlichhat Kampe diesen Titel der Schrift vorgesetzt, und Heine hat ihn bereut.