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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Heine.

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Heinrich (Harry) Heine (geb. zn Düsseldorf >799, starb in Paris1854 i) war in den Tiefen seines Innern unendlich mehr Jude alsBörne, ja er besaß alle Vorzüge und Unarten der Inden in einemhohen Grade. Wer ist im Stande, diese Chamäleon-Natur, diesenungezogenen Liebling der Grazien und Musen", wie man ibnnannte, diesen spottenden Romantiker und lyrischen Philosophen znschildern? Er allein wäre im Stande gewesen, ein zutreffendes Bildvon sich selbst zn geben, wenn er sich selbst im Spiegel seines Geisteshätte wiederstrahlen lassen können. Börnes Geist glich durchsichtigemQnellwasser, das auf sauberem Kiesel dahinrieselt und nur aufschäumt,wenn Stürme es Peitschen, Heines Geist dagegen glich einem Wasser-strudel, auf dessen Fläche die Sonnenstrahlen spielen und Regenbogen-farben bilden, der aber die sich nahenden Fahrzeuge in seine brausendenTiefen hineinreißt und sie zerschellt, wenn sie nicht starken Bauessind. Denn Heine war ein eben so tiefer Denker, wie malerischerDichter, ein eben so unerbittlicher Kritiker, wie liebenswürdiger Spötter,war eben so voll von originellen Gedanke» wie von Sangesweisen.Börne hatte in der That den Grundton von Heines Wesen nicht ver-standen, wenn er von ihm behauptete: weil er nicht, gleich ihm, glaubte:wer da liebe und anbete, sei cs die Ehre, den Ruhm, den Muth, dieTreue, Freiheit und Wahrheit, sei ein Christ; das Christenthum seidas Pantheon aller dieser Gottheiten; weil Heine diese Gedanken- undGefühlsnebelhastigkeit verspottete, sei er keiner ernsten Richtung, keinerUeberzeugung fähig gewesen; er habe sich selten im Jrrthnm befunden,weil er selten die Wahrheit gesucht habe"). Heine brauchte nicht dieWahrheit zn suchen, sie kam ihm von selbst zugeflogen, sie offenbartesich ihm, als ihrem Liebling, wie die Muse, tändelnd und schäkernd.Hinter seinem Spott lag öfter mehr Ernst der Ueberzeugung, alshinter der Litanei eines griesgrämigen Moralisten. Heine sehnte sichnach Idealen, denen er mit seinem Geiste hätte einen Cnltns weihenkönnen, und weil er sie nicht fand, verspottete er die Götzen, die sichals Götter anbeten ließen. Die Räthsel der Geschichte hat er jeden-falls tief gelöst. Er hat nie der Form zn Liebe den Inhalt geopfert,

wo jener mehr Werth hatte als diese. Er hat allerdings öfterseine Ansichten gewechselt, aber nicht mit seinen Ueberzengnngen gespielt.Heine war durchaus nicht politischer Schriftsteller von Berns, sondern

Die biographischen Thatsachcn sind meistens entnommenHeine's Lebenund Werke von Srrodtmann" (Berlin, 1867 l86!i), die Anekdoten vonHerrmann Schiff,Heinrich Heine und der Neu-Jsraelitismus" sind nicht immerzuverlässig.

2) Börne, Necension überrls 1'HIewa°'us"', B. VII., p. 266, 273.