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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Börne's Verhalten zum Judenthume.

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und was außerhalb seines Herzens lag, war für ihn nicht vorhanden.Und weil er, seitdem sein Geist zu reifen begonnen, in den Judennur Geld- und Zahlenmenschen sah, wie ans der Frankfurter Börse,oder Religionsspöttcr mit christelnden Anwandlungen, die sich ihrerAbstammung schämten, wie im Salon der Henriette Herz, und weilseine Erziehung ihm das Judenthum so verächtlich gemacht hatte, daßer es nicht der Mühe Werth hielt, sich damit zu befassen, so blieb ihmdas Allerheiligste der Juden unzugänglich, das auch in der von ihmso sehr geschmähten Rothschildsichen Familie anzntreffen war. Selbstsein eigenes Innere vermochte er nicht zu durchdringen und wußtenicht zu unterscheiden, was der allgemeine Kultnrznstand und was dasJndenthum an seinem Wesen gebildet hat.

Jndeß bewahrte ihn sein gesunder Sinn und seine Liebe für dieUnterdrückten vor der Charakterlosigkeit Rahels, ihres Bruders, des ,Dichters Robert, des ganzen Berliner Salons und vieler Anderer, ^die verächtlich den Juden den Rücken zukehrten und es nicht der Mühewerth hielten, etwas für sie zu thun oder gar mit ihnen zu empfinden.Als Jüngling machte ihn schon der Gedanke rasend, daß ihm dasSchmachwortJude" ins Gesicht geschleudert werde könne.Wennsie erst kommen und Dir sagen, daß Du ein Jude bist," schrieb erin sein Tagebuch,wie sie den Manschet beohrfeigen, daß man sichkrank lachen möchte! O, wenn ich das bedenke, wie ein Sturm braustes in meinem Innersten, es möchte die Seele aus ihrem Wohnhausestürzen und sich den Leib eines Löwen suchen, daß sie dem Frechenbegegnen könnte mit Klaue und Gebiß Z." Und er hat richtig vor-geahnt, daß ihm diese Schmach nicht erspart und daß seine Löwen-tatze heransgefordert werden würde. Als er ein Jahr später, bereitsStudent, einen Reisepaß von der Frankfurter Polizei nahm, schriebihm eine Mißgestalt von Polizeischreiber hinein:Jud' von Frank-furt". Mein Blut stand still, doch durfte ich nichts sagen, noch thnn,denn mein Vater war gegenwärtig. Damals schwur ich im Herzen:Wartet nur, ich schreibe euch auch einmal einen Paß, euch Allen")."

So erzählte er.

Einen Augenblick schien es, als sollte Börne seinen Schwur ver-gessen können. Die Frankfurter Judenschaft hatte sich, wie schon er-zählt (o. S. 286), die Gleichstellung für eine halbe Million erkauft,und Börne, der inzwischen Rechtswissenschaft studirt und mit seinenErstlings-Geisteserzengnissen Erwartungen erweckt hatte, wurde einer

') Briefe des jungen Börne S. 167 vom Jahre 18Ü6.

2) Pariser Briefe, B. X., S. 9.