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Geschichte der Juden.
der Ersten in Frankfurt, im Polizeifache angestellt. Sein hochfliegenderGeist nnd sein Freiheitsdrang wären vielleicht im Aktenstaube begrabenworden, wenn nicht die judenfeindliche Frechheit der Frankfurter Patricierihn aufgerüttelt hätte. Die Schmach Deutschlands nach der wohlverdientenNiederlage von Jena hatte Börne eben so tief wie die Tugendbündlerempfunden und ihn veranlaßt, eine Rede an die Inden auszuarbeiten,worin er sie wahrscheinlich zur Patriotischen Opferung auffordertc, diedie Censur aber als zu aufregend unterdrückte *). Als der RiesenheldNapoleon geschlagen war, stimmte Börne in den Chor der Patrioten ein,ja er schlug schon einen dentschthümelnden Ton an, nnd der Taumel hatte^ ihn schon so sehr verdeutscht, daß er blinden Gehorsam predigte. „Esziemt uns nicht, uns keck in den Rath der Fürsten einzudrängen, siesind besser als wir, Wir haben das Schwert, sie uns geführt ^j."Börnes Bruder war mit vielen anderen jüdischen Jünglingen alsFreiwilliger ausgczogen. Aber wenn Börne auch vergaß, daß er Judewar und sich nur als Deutscher fühlte, die Frankfurter vergaßen es^ nicht und erinnerten ihn unvorsichtig nnd brutal an seinen heimlichenSchwur. Er fiel als erstes Opfer der Reaktion; er wurde ausseinem Polizeiamte verdrängt, sowie die Frankfurter Juden in dasGhetto znrückgewiesen wurden. Die freche Art, wie diese um ihredreifach verbriefte Freiheit geprellt wurden, trotz des halben Versprechensdes Wiener Congresses (o. S. 307), empörte sein Freiheitsgefühl tief,und er spitzte zuerst seine Pfeile zum Kampfe für seine Stammesgenossenund gegen die Frankfurter Spießbürger, welche die Judenstättigkeitvon 16 t6, „diesen Roman der Bosheit" (wie Börne sie nennt) imneunzehnten Jahrhundert wiedereingesetzt hatten. Indessen schien dieseSchrift seinem Vater, ans dessen Veranlassung sie wahrscheinlich ent-standen war, um Tadel gegen seine Thätigkeit als Depntirter beimCongreß abzuweisen, zn spitz und verletzend. Er entzog sie anfangs derOeffentlichkeit'b). Was in Börne in den Jahren der immer steigendenReaktion gegen die Juden gewogt hat, legte er einem jüdischen Offizierin einem Roman in den Mund. „Ihr habet mir die Spiele derKindheit gestohlen, ihr schlechten Schelme! Ihr habet mir Salz ge-worfen in den süßen Becher der Jugend, ihr habet die tückische Ver-leumdung und den albernen Spott hingestellt auf den Weg desMannes, — abhalten konntet ihr mich nicht, aber müde, verdrossen
*) Briefe des jungen Börne, S. 178.
h Börnes Aufsatz: „Was wir wollen", abgedruckt in der Frankfurter Zeitung1814, S. 276 f. ist ein lehrreiches Kapitel von der Umwandlnng, die in ihmvorgegangen ist.
2) Enthalten in Ges. Schr. II, 386 f.