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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Inden.

seinen Spaziergängen in Frankfurt den Fußweg nicht betreten durfte,sondern den staubigen Fahrweg einhalten mußte, als jeder zerlumptechristliche Bettler oder Trunkenbold ihm zurufen durfte:Mach Mores,Jud!" und er hatte gehorchen müssen, um nicht in entwürdigendeStrafen zu verfallen, da mag der Gedanke über ihn gekommen sein,daß Unfreiheit Verdammniß und Freiheit Seligkeit sei.Weil ichals Knecht geboren, darum liebe ich die Freiheit mehr als ihr, ja,weil ich die Sklaverei gelernt, darum verstehe ich die Freiheit besserals ihr" i), das wiederholte er oft. Auch sein vielbewnnderter Styl,die fesselnde Darstellungsweise, die er zur Vollendung brachte, die sichin tiefsinnigen und abgerundeten Sentenzen zuspitzt, erinnert an biblischeund talmudische Spruchweisheit. Kurz, die Lichtseiten in BörnesWesen hat er dem Judenthum zu verdanken. Er war aber nicht dank-bar dafür, er verkannte es und stellte es ebenso niedrig, wie seineBerliner Freunde. Er sprach es zwar einmal aus:Ich wäre nichtwerth, das Licht der Sonne zu genießen, wenn ich die große Gnade,die mir Gott erzeigt, mich zugleich ein Deutscher und ein Jude werdenzu lassen, mit schnödem Undanke bezahlen würde, wegen eines Spottes,den ich immer verachtet. Denn ich weiß das unverdiente Glück zu schätzen,zugleich ein Deutscher und ein Jude zu sein, nach allen Tugenden derDeutschen streben zu können, und doch keinen ihrer Fehler zu theilcn."Er fügte auch noch, die Deutschen anredend, hinzu:Ich bitte Euch,verachtet mir meine Juden nicht. Wäret ihr nur wie sie, so wäretihr besser. Ihr habt den Juden die Luft genommen, aber das hatsie vor Fänlniß geschützt, ihr habt ihnen das Salz des Hasses in'sHerz gestreut, aber das hat ihr Herz frisch erhalten. Ihr habt sieden ganzen langen Winter in einen Keller gesperrt und das Kellerlochmit Mist verstopft, aber ihr, frei dem Frost bloßgestellt, seid halberfroren. Wenn der Frühling kommt, wollen wir sehen, wer frühergrünt, der Jude oder der Christ" 2). Allein Börne glaubte selbstnicht an die Kernhaftigkeit der Juden und sprach jene Worte nur imAerger oder zum Aerger der Deutschen aus. Zur selben Zeit sagteer auch ironisch:Sie wissen, wie mein Herz für die Juden schlägt!" ^).

Wiewohl mit einem Feingefühl für Wahrheit begabt, hatteBörne doch nur einen beschränkten Gesichtskreis. Sein Blick reichtenur für das Zunächstliegende und Praktische und vermochte nicht immerden Schein vom Wesen zu unterscheiden. Die Erkenntniß floß seinemGeiste nicht überstimmend zu, wie Heine, sondern er mußte sie aufsucheick

Pariser Briefe No. 74, Ges. Schr. X, 243.

st Das. S. 244.

°) Das. S. 43.