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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Börne's Jugend.

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Nüchternheit, welche über diese überschwengliche Romantik siegte undsich über die herrschende Sentimentalität der schmachtenden Jünglingeund schwindsüchtigen Mädchen lustig machte'), j Der Lucinde-Unflath,den Schleiermacher beweihräucherte, ekelte den sechzehnjährigen Börneso sehr an, daß er dieses Lasterbuch nicht einmal mit dem Reize derVerstohlenbeit lesen konnte 2). Dieselbe aus dem jüdischen Grundwesenererbte Nüchternheit leitete Börne auch auf den richtigen Weg, seineideale Natur, die leicht in excentrische Ueberschwenglichkeit hätte Um-schlägen können, im Gleichgewicht und in nicht allzuscharfem Wider-spruch mit der wirklichen Welt zu erhalten. Frühzeitig hatte er eineGöttin kennen gelernt, der er schwärmerische Liebe zuwendete und biszu seinem letzten Hauche treu blieb.Das wahre Wesen der Tugendläßt sich in einigen Worten ansdrückeu. Was ist Tugend? Tugendist Seligkeit. Und Seligkeit? Ist Freiheit. Es läßt sich nicht weiterfragen, was Freiheit sei, denn sie ist das ewige schlechthin Eine, daseins mit der Vernunft, das eins mit Gott, eins mit dem Unbedingten,das sich selbst erklärt^)." Das dachte und schrieb in sein Tagebuchder achtzehnjährige Börne, dieser Gedanke beherrschte sein Innereswährend seines Lebenslaufes und war die Triebfeder aller seinerHandlungen. Tugend ist Freiheit, und Freiheit ist Tugend, sie bedingenund gewähren Seligkeit. Das nimmt sich ganz anders aus, als dasSchleiermacher'sche Nebelbild von Religion. Aber trotz dieser Schwärmereifür die Freiheit wußte Börne doch in ihrem Kultus Maaß zu haltenund die schmale Grenzlinie nicht zu überschreiten, wo das Verfolgeneines Ideals in Narrheit überspringt. Als Christ geboren, wäre Börnevielleicht ein deutschthümelnder Freiheitsnarr geworden, wie Jahn, Sandund so viele Andere. Als Jude dagegen wurde er ein verständiger,Prüfender, abwägender Freiheitsapostel, das Mögliche und Unmögliche,das Erreichbare und Überschwengliche mit richtigem Takte unterscheidend.

Ist nicht selbst sein Cultus für die Freiheit, welcher auf seinkörperliches Behagen und Mißbehagen, auf seine ganze StimmungEinfluß hatte, aus seinem jüdischen Blute oder wenigstens aus demschmerzensreichen Gange der jüdischen Geschichte zu erklären? Dasganze Herbe und Entwürdigende der Unfreiheit konnte nur ein Jude ^empfinden, dem gegenüber ein indischer oder russischer Leibeigener alsein Freier gelten konnte. Börne's Geburtsstadt Frankfurt mit ihrenschmachvollen Judeustättigkeitsgesetzen war die beste Schule für ihngewesen, die Freiheit lieben zu lernen. Als er noch als Knabe auf

') Das. S. 68.

2 ) Das. S. 58.

Das. S. 128.

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