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Geschichte der Juden.
Judenthums geworden, aber es war in seiner Nähe Nichts, waseinen idealen Zug darbot, und so entwickelte sich in ihm eine ArtAbneigung gegen das jüdische Wesen, die gleich bei seiner ersten Ans-fahrt in's Leben zum Durchbruche kam.
In Gießen sollte er im Hause des Professor Hezel für eingelehrtes Fach vorbereitet werden und in einem jüdischen Hause nachjüdischer Vorschrift leben. Aber es dauerte nicht lange, so überspranger diese Schranke und warf, kaum in's Jünglingsalter getreten, seinjüdisches Bekenntniß hinter sich. Sein Erzieher Hezel hatte eine Vor-liebe für die hebräische Sprache und Litteratur und bahnte gleichzeitigmit Eichhorn die Pflege derselben auf Universitäten durch bequemeHandbücher an. Der bereits als Kenner des Hebräischen gefeierteProfessor bewunderte die hebräischen Kenntnisse seines jungen jüdischenZöglings Börne, ermunterte ihn, sie zu bereichern und ließ ihn anseinen Vorlesungen über die Psalmen und hebräische Grammatik theil-nehmen. Aber da Börne nichts mehr dafür empfand und diese Kennt-nisse gering schätzte, so kam es, daß er später kaum hebräisch zu lesen.verstand. Im Hause des Arztes Markus Herz, wo es Mode ge-^worden war, über alles Jüdische zu spötteln, und besonders nach dessenTode, als dessen Wittwe, Schleiermachers Seelenbraut Henriette, ihnan diesen und sein christliches Wolkenkukuksheim gewiesen hatte, rißin Börne's Herz die letzte Faser, die ihn mit seinem Stamme unddessen Vergangenheit noch verknüpfte. Die christelnde Henriette Herzund der spinozistisch-romantisch-evangelisirende Schleiermacher machtenihn zum Judenfeindes. Er verachtete die Juden der Gegenwart undsprach von ihnen wie ein Erzjudenfeind. Das jüdische Alterthum,von dem er von Hause aus verkehrte Vorstellungen hatte, und diedurch seinen Berliner und Hallischen Umgang noch mehr getrübtworden waren, sah er als Zerrbild an. Die alten Inden von Abrahambis zum „reichen Salomo" kamen ihm vor, „als hätten sie die Welt-geschichte travestiren wollen" 2). Er ahnte nicht, wie viel sein inneresSein, die Wahrhaftigkeit seiner Natur, dem Judenthume zu dankenhatte. In die auch mit ihm cokettirende Henriette Herz, die seine Mutterhätte sein können, war er so verliebt, daß er ernstlich daran dachte, sich ausLiebesgram zu vergiften. Aber wie schnell wurde der Jüngling vondieser wahnsinnigen Liebe, wie von der Liebe überhaupt, geheilt^),während das Bild der schönen Jüdin den viel älteren Prediger Schleier-macher bis auf die Kanzel begleitete! Es war seine angeborene jüdische
U Briefe des jungen Börne, S. 134.
2) Das. S. 143.
°) Das. S. 161.