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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Börne's Jugend.

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Pfeil in die Hand gedrückt, womit er sie ins Herz traf. LudwigBörne oder Löb Baruch (geboren in Frankfurt a. M. 1786, starbin Paris 1837) erblickte das Licht der Welt in demselben Jahre, indem es für Mendelssohn nnterging, als hätte die Geschichte für denVerlust des Weisen von Berlin den verwaisten Juden nach eineranderen Seite hin wenigstens einen Ersatz bieten wollen. Börnehatte einige Aehnlichkeit mit Mendelssohn: das schüchterne, scheue, etwaslinkische Wesen, die Selbstbeherrschung, die Charaktergröße, das strengeNachleben nach einer gefundenen sittlichen Norm. Beide wnrden durchden Zufall, ohne daß sie es wollten, bewunderte Persönlichkeiten.Beide schöpften ans sich ästhetische Regeln, ohne dazu geschult zu sein.Börnes Bildungsgang war eigenthümlich. Sein Vater Jakob Baruch,ein Schützling des österreichischen Kaiserhauses (S. 296), von Jugendauf in stetem Verkehr mit Hoflenten und Fürsten, versteckt wie einMinister und aufgeklärt wie der Kreis der Berliner, war dem Jnden-thum halb oder vielleicht ganz entfremdet Z. Nichtsdestoweniger ließer aus Familienrücksichten seine Söhne in althergebrachter Weise er-ziehen. Er suchte für sie einen Hauslehrer, Jakob Sachs, der selbstzu den Aufgeklärten gehörte und sich Friedländer zum Muster ge-nommen hatte, und verlangte von ihm, daß er seine Söhne durchausin stockalter Weise unterrichten und ihnen nichts von der neumodischenAufklärung beibringen sollte. So lernte Börne die Bibel und dieAnfangsgründe des Talmud in geistloser Weise, gewahrte schon früh,daß das, was Vater und Lehrer ihm beibrachten, ihnen selbst nichtLebensernst war und gelaugte dadurch zur Zwiespältigkeit in seinemInnern. Ein weiblicher Haustyrann trug dazu bei, ihm das jüdisch-religiöse Leben widerwärtig zu machen. Die Vertreter des Jnden-Ihums in der Frankfurter Gemeinde waren auch nicht geeignet, demfür Schönheit empfänglichen Knaben ein freundliches Bild zu zeigen.Der ans Polen und den chasidäischeu Kreisen berufene RabbinerPinchas Ha-Levi Hurwitz, die letzte rabbinische Größe in Frankfurts,der die Mendelssohn'sche Pentatenchübersetzung verketzerte, hatte mitder Judengasse in Frankfurt Aehnlichkeit, stille Tugenden und eineabstoßende Außenseite. Hätte Börne Mendelssohn zum Vorbilde habenkönnen, so wäre er wahrscheinlich bei seinem Ernste und bei seinemHange zur Sittlichkeit und Wahrheit ein begeisterter Anhänger des

st Vgl. über Börne und seines Vaters Haltung, Börnes Briefe. Ges.Schriften XII. S. 320 und Börnes Leben von Gutzkow 1810. Briefe des jungenBörne an H. Herz 1801 (und die bereits oben citierten Abhandlungen Schnapper-Arndts und Ludwig Geigers.)

'st Vgl. o. S. 40 und Note 2.

Graetz, Geschichte der Juden. XI.

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