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Geschichte der Juden.
Hölzeniheit und Unbeholfeuheit, über welche sich die Nachbarvölkerlustig zu machen pflegten.
In ihrer kindischen Verbissenheit gegen die Juden behauptetendie Deutschthümler, die Rühs, Fries und die Hundt-Radowsky, dasJudenthum könne keinen Mann von Charakter, keine Seele mit freieremKunstsinn aus sich gebären; da strafte sie die Geschichte sofort Lügenund beschämte sie. Das Judenthum stattete einen charakterstarkenFreiheitsapostcl mit einer Sprache aus, welche an die Propheten undan die römischen Catone erinnerte, und dieser verwirrte alle BegriffeX der Deutschen von der Staatsrechtslehre, und es stellte noch dazueinen kunstsinnigen Dichter auf, mit einer Mischung von inniger Poesieund geißelnder Ironie, und dieser warf alle ihre Kunstregeln überden Haufen. Es ist Wohl nicht allzuübertricben, zu behaupten, daßkein Volk der Erde in der Gestaltenfülle der Geschichte zu gleicherZeit zwei solche eigenartige Naturen erzeugt hat, welche mit Börneund Heine verglichen werden könnten. In der Geschichte des jüdischenVolkes stehen sich nicht vereinzelt. Börne erinnert mit seiner Gefühls-tiefe und seinem zugleich verwundenden und heilenden Witz an den^ prophetischen und psalmistischen Spott über Verkehrtheiten. Heinehatte Seitenstücke an Jbn-Esra, Alcharisi und Immanuel Romi, derenSatyre sich über sich selbst lustig machte, die ebenfalls äußerlich hellauflachten und innerlich tiefen Gram bargen. Der mannichfaltigeBlüthenschmuck des Börne-Heine'schen Geistes ist aus jüdischen Wurzeln^ entsprossen. Nicht bloß ihr Witz war jüdisch, sondern auch ihr Wahr-heitsdrang, ihr Widerwille gegen Schaustellungen, ihr Haß gegen dasBemänteln und Verschleiern, ihre Verachtung gegen offizielles Gepränge,gegen benebelnde Weihrauchswolkeu für nichts und wieder nichts, gegenambrosianische Orgelklänge für Lüge, Menschenkncchtung, Rechtsver-drehung und Meuschenschlächterei. Die demokratische, freiheitsglühendeGesinnung, die bei Börne mehr, bei Heine weniger, die spinozistischeinschneidende Zergliederung, die bei diesem mehr, bei jenem wenigerhervortritt, das Alles war an ihnen urjüdisch. Im Christenthuinegeboren und im offiziellen Geiste erzogen, wären Beide nicht Das ge-worden, was sie waren, befreiende Mächte, welche eingewurzelte Thor-heiten und Verkehrtheiten mit lackender Miene bannen halfen. Sie,die Geknechteten, wurden Befreier und erlösten ihre Feinde von demDoppeljoche Politischer und gesellschaftlicher Unmündigkeit.
Fast hätten die Deutschthümler Dank dafür verdient, daß sie dieJuden mit ihrem Rückfall in die Barbarei so empfindlich gequälthaben. Sie haben dadurch, wenn auch nicht Heine, so doch entschiedenden zu träger Beschaulichkeit geneigten Börne aufgerüttelt und ihm den