Hundt-Radowsky.
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verständlich ließ er cm den Juden von den ältesten Zeiten an bisauf seine Zeitgenossen kein gutes Haar. Sie seien sämmtlich verworfen:„selbst ihre Dichter seien Betrüger und haben einen kurzen Fuß statteines langen." Der Hep-Hep-Sturm und Hundt-Radowskys Mord-predigten waren die giftige Frucht der Saaten, welche Fichte undSchleiermacher ausgestreut hatten: sie sind schnell und voll genugaufgegangeu.
Diese Brandschrift des sogenannten v. Hundt-Radowsky, in derjedes Wort eine Scheußlichkeit ist, wurde von der deutschen Leseweltgieriger verschlungen als seine schlechten Romane. Erst auf Antragder Juden wurde sie hier und da von der durch die KarlsbaderBeschlüsse allmächtigen Censur verboten und confiscirt^). In Portugalwurde um dieselbe Zeit bei den Cortes ein Antrag eingebracht, dieausgestoßenen Juden wieder znznlassen und das an ihnen begangeneVerbrechen zu sühnen, und in Deutschland rechtfertigten Schriftsteller Xund Staatsmänner dieses Verbrechen und wünschten, daß es im neun-zehnten Jahrhundert wiederholt würde! Hundt stand nicht vereinzeltda mit seinen Vorschlägen zur Vertilgung der Juden, er hatte Ge-sinnungsgenossen. Ein Deutschthümler aus Frankfurt, der sich derWeiß-Becker nannte, beleuchtete in derselben Zeit (1819) „dasLeben, Dichten und Trachten der Juden," angeblich nach dem Richter-spruch der Verminst, in Wahrheit aber nach den Eingebungen desblindesten, leidenschaftlichsten Hasses. Wer will alle diese judenfeindlichen,aufregenden Schriften gegen die Juden ans den Jahren des Hep-Hep-Sturmes aufzählen? Bei Besprechung der Tagesfragen, mochtensie auch noch so fern von dem Verhältniß zu den Juden liegen,wurden diese herbeigezogen, um sie zu besudeln. Verherrlichten sieSand und seine Mordthat an Kotzebue und rühmten sie dessen christliches,religiöses Gefühl, so verfehlten sie nicht, hinznzufügen: daß „derchristliche Haß den Tag des Gerichtes über die Juden, die privilegirtenSpießgesellen der Plusmacherei", herbeirufen würde, auch „wenn keinSchriftsteller je einen Buchstaben zum Nachtheile der Juden der Presse"anvertrant hätte ").
Lord Byron, der Schöpfer einer neuen Poesie, der ihr Wahrheitund Tiefe verliehen und aus dem Abgründe des Herzens dämonischeMächte hervorgezanbert hat, hatte auch dem tragischen Schmerze derJuden die rührende Sprache gegeben. In glücklicher Nachahmung derPsalmen sang er in süß wehmüthigen Accorden hebräische Lieder
') Luluiuir VI, I, S. 32. 331.
°) David Friedländcr, Beitrag zur Geschichte der Judenverfolgung im 19.Jahrh. durch Schriftsteller (Berlin 182V), S. 9.