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Geschichte der Juden.
oder soldatische Mannschaft, welche gegen die Stürmer und Schreiereinschritt, nahm im Stillen Partei gegen die Juden, und die Regierungen,welche sie schützten, thaten cs mehr aus Furcht, weil sie hinter demJudensturme demagogische Umtriebe argwöhnten. Später beriefensie sich auf diese Gewaltausbrüche, als auf den Volkswillen oder Un-willen gegen die Juden, um ihnen die bürgerlichen und staatsbürger-lichen Rechte vorznenthalten.
Die höchste Blüthe des deutschthümelnden Judenhasses bildet diein der Zeit der Aufregung erschienene Brandschrift „Der Juden-spiegel" (Nov. 1819). Hartwig Hundt, ein Mann von abenteuerlicherExistenz, der, weil er bei einem adeligen Polen Radowsky Hauslehrerwar, sich den Adelstitel v. Hundt-Rad owsky beilegte und gegenden Adel schrieb, weil er in dessen Reihen nicht zugelassen wurde,forderte geradezu auf, die Juden todtzuschlagen. Wahrscheinlich hattensie sein Raubritterthum nicht nach seiner Erwartung befriedigt. Ernannte sich bescheiden Grattenauer den Zweiten, übertraf abersämmtliche Judenfeinde, welche seit der Erfindung der Buchdruckerkunstvon Pfefferkorn, Ortuin Gratius und vr. Mart. Luther an bis aufRühs, Fries und die Frankfurter Judenfresser, die Demüthigung oderVertilgung der Juden als Herzensangelegenheit behandelt haben.Hundt-Radowsky machte sehr löbliche Vorschläge, welche, wie er sichschmeichelte, die Hep-Hep-Männer befriedigen würden. „Obgleich ichmeines Ortes die Tödtung eines Juden weder für eine Sünde, nochfür ein Verbrechen halte, sondern bloß für ein Polizeivergehen, sowerde ich doch nie rathen, sie, wie es mir jetzt im andern Falle Movezu werden scheint, »»gehört zu verdammen und zu bestrafen." Wasdenn? Seine Rathschläge waren: „Man verkaufe Israels Kinder andie Engländer, welche sie statt der Schwarzen in ihren indischenPflanzungen gebrauchen können. Damit sie sich nicht vermehren,sollte man die Männer entmannen und ihre Weiber und Töchter inSchandhäusern unterbringen. Am besten werde es jedoch sein, manreinigte das Land ganz von dem Ungeziefer, indem man sie entwederganz vertilge oder sie, wie Pharao, die Meininger, Würzburger undFrankfurter es gemacht haben, zum Lande hinansjage." Selbst-
an andern sie nicht mißbilligend, belachend, Lust zeigend, gelegentlich auch wohlalso zu thun, als ständen wir schon wieder im vierzehnten oder fünfzehntenJahrhundert." Und im Eingänge: „Und wenn es mich nun letzthin ungemeinempörte, von dem zu lesen, was in Würzburg, Bamberg rc. sich zugetragen hat,gerieth ich noch mehr in Erstaunen, als ich Gelegenheit fand, einige öffentlicheUrtheile über diese Vorgänge zu hören. Ich mußte mich besinnen, ob ich inBerlin oder in M . . . . t lebte, ob wir 1819 oder 1419 schreiben."